Gerechtigkeit-ein Definitionsversuch

Um sich dem Thema Gerechtigkeit anzunähern, braucht es zuerst einen Ausgangspunkt. Wie kann man ein gerechtes Leben und Sein definieren, wenn doch jeder unterschiedlich damit umgeht? Um eine Definition zu finden, habe ich mir philosophische Ansätze angeschaut. Ich habe mich für zwei Theorien entschieden, die sich in meinen Augen gut ergänzen und leicht verständlich sind.

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#notheidisgirls – warum GNTM sexistisch ist

Warum GNTM sexistisch ist
#notheidisgirls

Wir schreiben das Jahr 2018, #metoo und damit auch die negative Objektivierung der Frau, die in aller Munde ist. Gedichte, die bewundern werden wegen Sexismus Vorwurf entfernt und auch klassische Kunstwerke sollen aus Museen verbannt werden, da zu viel nackte Haut oder anrüchige Szenen gezeigt werden. Man kann sagen, dass extreme Zustände herrschen, die auch nicht davor halt machen, die Freiheit der Kunst in Frage zu stellen. Hauptsache man erreicht eine sexistisch einwandfreie Umwelt.

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Feminismus als Lehre vom Opfer?

Frauen sollten keine Opfer sein, vor allem sollten sie nicht durch eine Debatte zu Opfern gemacht werden! Aber das Frauen im Allgemeinen für sich selbst sprechen können, scheint keine Relevanz mehr zu haben, betrachtet man die derzeitigen Geschehnisse. Die #metoo Bewegung erschuf ein überempfindliches Umfeld, in dem sogar die Bewunderung an eine Frau mit dem Sexismus Stempel versehen wird. Und dieser Stempel ist vergleichbar mit dem zwangsvollsteckerischen Kuckuck, denn ist er einmal aufgebracht ist die Pfändung bzw. Eliminierung nicht mehr weit.

Jüngst geschehen mit einem Gedicht an der Fassade einer Berliner Hochschule. An der Fassade der Alice Salomon Hochschule in Berlin steht seit 2011 das Gedicht des Lyrikers und Gewinners des Alice Salomon Poetik Preises Eugen Gomringer. Das Gedicht “avenidas” lautet in deutscher Übersetzung wie folgt:

„Alleen / Alleen und Blumen / Blumen / Blumen und Frauen / Alleen / Alleen und Frauen / Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer“

Dieses Gedicht soll nun entfernt werden. Der Studierendenrat sieht darin eine Provokation durch klassisch patriarchale Klischees, in welcher ein männlicher Künstler von einer Frau zu Kunst inspiriert wird. 

Alleine dieser Sachverhalt macht mich ziemlich sprachlos. Was daran ist sexistisch? Ist es die Inspiration? Ist es die Bewunderung? Vermutet werden kann viel, dass die Hochschule diesem Antrag aber wirklich statt gibt, lässt mich schier verzweifeln.

Wie nur kann eine Hochschule einen kruden Gedanken und den Hype um Sexismus einem Grundrecht vorziehen? Den was hier geschieht ist eine klare Einschränkung der Kunst und somit ein Verstoß gegen das Grundrecht der Kunstfreiheit Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes.

Wie nur kann es dazu kommen? Die Ursache hierin mag in dem überpolitischen Ansinnen liegen nur ja niemanden zu verletzen, der es vermeintlich schwer genug hat. Das sind momentan die Frauen, welche durch die #metoo Debatte als Generalopfer dargestellt werden. Jede Frau hat bereits ein #metoo erlebt und muss mit allen Mitteln vor möglichen weiteren #metoos bewahrt werden. Wenn es sein muss auch mit Zensur und Einschränkung der Freiheit.

Ob nun wirklich alle Frauen derart beschützt werden wollen, diese Frage ist an mir vorbei gegangen. Aber darum scheint es auch nicht zu gehen. Es geht zunehmend um Macht. Die #metoo Sympathisanten suchen mit allen Mitteln nach männlichem Machtmissbrauch und werden selbst mehr und mehr zum Machtmissbrauchenden. Denn mit der Offenlegung ist es längst nicht mehr getan. Es geht um mediale Hetze und um Ausmerzung von allem, was auch nur im Entferntesten einen Hauch Sexismus an sich trägt. Man bekommt eine Ahnung davon, was die Leute im Mittelalter an der Hexenverfolgung fanden, nämlich den Spaß daran einer guten Sache zu dienen und seine Wut an den Schuldigen auszulassen, bis man sie vernichtet hatte. Die dramatischen Folgen so einer Hexenjagd verlieren sich in der Euphorie der Hatz.

Das die #metoo Debatte dabei gänzlich aus dem Ruder gelaufen ist und ihrem eigentlichen Ansinnen nur noch schadet, dürfte klar sein. Vor allem schadet sie dem Ansehen des Feminismus, der in den letzten Jahrzehnten bereits Schaden genommen hat. Nun dürfte der Ruf gänzlich dahin sein. Denn der heutige Feminismus, ich möchte ihn Neo-Feminismus nennen, sieht in den Frauen nur eines: Opfer. Ein Opfer ist nicht in der Lage sich selbst zu schützen und muss folglich beschützt werden. Somit sind es auch nicht die eigentlich Betroffenen, die den größten Wirbel machen, sondern es sind die selbsternannten Beschützer, man könnte sie auch Helikopter-Beschützer nenne, die sich aufspielen und alles kurz und klein machen, was ihren Schützlingen eventuell schaden könnten. Und eben dieser Umstand macht die ganze Sache so bodenlos.

Liebe Neo-Feministen, bitte hört auf in allen Frauen Opfer zu sehen. Eure gedanklichen Großmütter würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie sehen würden was ihr aus ihrem Erbe macht. Durch Euch verkommt der Feminismus mehr und mehr zum Schreckgespenst der Neuzeit. Das, was Frauen zu so viel verholfen hat, verkommt zu einem schlechten Spuk, der allen Angst machen soll und dabei Zorn und Hass schürt.

Der ursprüngliche Gedanke von Feminismus ist eine Theorie der Freiheit und nicht der Einschränkung! Er hat Frauen einst dazu verholfen keine Opfer mehr zu sein und nun erklärt er sie zu genau dem: zu Opfern. Das darf nicht sein und vor allem darf es nicht so bleiben!

Feminismus darf nicht die Lehre vom Opfer werden! Feminismus sollte für ein gleichberechtigtes Miteinander stehen oder wie Johanna Dohnal es ausdrückte

„Die Vision des Feminismus ist nicht eine ‚weibliche Zukunft‘. Es ist eine menschliche Zukunft. Ohne Rollenzwänge, ohne Macht- und Gewaltverhältnisse, ohne Männerbündelei und Weiblichkeitswahn.“

Was ist Gerechtigkeit?

  1. Was ist Gerechtigkeit? Was auf den ersten Blick wie eine einfache Frage erscheint, erweist sich beim genaueren Hinsehen als Elferfrage. So hat zwar jeder direkt eine Vorstellung, wenn man ihn nach Gerechtigkeit fragt, aber die eigene Gerechtigkeit lässt sich nicht pauschal verallgemeinern und auch die Gerechtigkeit die von den Gesetzen eines Staates ausgehen, gelten nicht immer als gerecht (man denke an die sogenannten Rechtsverdreher). Wie also kann man hier zu einem Schluss kommen?

Die Frage nach der Gerechtigkeit flammte in mir auf, als ich einen Artikel über einen jungen Beamten namens Ronny las, der wegen einem Bore Out vom Dienst freigestellt wurde und ein Ruhegehalt von 1400 € erhält. Ronny engagiert sich in dieser freien Zeit ehrenamtlich und macht eine Fortbildung, um irgendwann einmal einem Job nachgehen zu können, der für ihn besser ist. Die Überschrift des Artikels lautete „Beamter – Ich spare für meine Beerdigung“.

Mein erster Impuls, bereits während dem Lesen: „Dir würde ich gern mal was vom harten Leben erzählen und ich glaube 1 Millionen andere auch!“ Wut stieg in mir hoch. Die Kommentare unter dem Artikel zeigten, dass es anderen auch so erging wie mir aber es mindestens genau so viele gab, die für Ronny in die Bresche sprangen und ihn nach Leibeskräften verteidigten. Für den Verlauf will ich die beiden Parteien mit Hater (jene, die sich gegen Ronny aussprachen) und Gooder (jene, die sich für Ronny aussprachen) bezeichnen. Ganz besonders interessant fand ich die Kommentare der Gooder, die den Hatern empfahlen doch auch Beamter zu werden, wenn sie mit ihrem Gehalt (z.B. als Pflegekraft) so unzufrieden sind. Auf die Frage, wie sie sich das denn vorstellen, wenn plötzlich alle Pflegekräfte Beamte würden, kam keine wirkliche Antwort mehr.

Nun saß ich da mit meiner Wut und es kam noch mehr Wut dazu, denn ich verstand die Position der Gooder nicht. Wie konnte man nicht sehen, dass es doch zum Himmel schreit, wenn ein Mensch für´s Nichts Tun soviel Geld bekommt, wie beispielsweise eine Pflegekraft für einen Fulltime Job? Da kann der arme Ronny nichts dafür, aber er ist in diesem Moment das Medium für meine Wut. Natürlich sollte man ihn nicht unter Hass Kommentaren begraben, aber sein Schicksal in Frage zu stellen und dabei auch nach anderen Schicksalen zu fragen und darüber zu diskutieren, halte ich sehr wohl für legitim. Aber das scheinen die Gooder anders zu sehen.

Es scheint ein neues Phänomen der Social Media Portale zu sein, dass alle Gooder vereint um ungebremst gegen jeden Hater vorgehen, mag er auch noch so gut argumentieren. Alles, was auch nur im Geringsten nach Hater aussieht, wird angegriffen und scheinbar entkräftet mit Verständnis und Solidarität für die angefeindete Person. Prinzipiell ist das auch eine gute Sache, nachdem die Hater in den letzten Jahren so viel Aufmerksamkeit bekommen haben, aber was mir immer sauer aufstößt, wenn ohne Sinn und Verstand drauf los gepostet wird. Da verbündet sich dann eine Gruppe gegen eine Meinung und jede Personen, die diese Meinung anschließend vertritt, wird zusammen niedergemacht. Da geht es dann nämlich um vieles aber nicht um Gerechtigkeit. Dabei, denke ich mir, ist das Ansinnen vieler Gooder nämlich gerade  die Gerechtigkeit wieder herzustellen, die durch die Hater aus dem Ungleichgewicht geraten zu sein scheint. Was ihnen dabei nicht auffällt ist, dass sie die selben Mittel anwenden wie die Hater und sie sich somit auf die gleiche Stufe stellen wie jene, die sie versuchen zu bekämpfen.

Gerechtigkeit ist ein großes Thema und jeder beschäftigt sich implizit so gut wie jeden Tag damit. Im Job, im Privatleben, einfach in jeder Situation die eine Interaktion mit anderen Menschen erfordert. Permanent wird abgewogen, ob alles auch gerecht oder fair zugeht. In den meisten Fällen wird man sich mit der Umwelt auch schnell einig, wenn es um augenscheinlich „offensichtliche“ Gerechtigkeitsbelange geht. Beispielsweise wenn es darum geht, das ein Kollege im Büro immer bevorzugt wird, obwohl weder seine Leistungen noch sein Verhalten besser ist als das aller anderen. Hier wird man schnell Verständnis von anderen Personen bekommen und ist somit mit seinem Gerechtigkeitsempfinden nicht mehr alleine. Wenn man erst andere gefunden hat, die einen unterstützen, kann man auch leichter seine Gerechtigkeit einfordern. Hat man allerdings einen Punkt gefunden, der einem unfair erscheint, den aber kein anderer nachvollziehen kann, steht man ziemlich alleine da mit seinem Gerechtigkeitsbedürfnis. So ging es wohl lange Zeit vielen Frauen, die sexuelle Übergriffe ertragen mussten. Vielleicht erzählten sie jemandem davon aber sie fanden nicht genügend Personen, die ihr Ungerechtigkeitsempfinden nachvollziehen konnten, also war es auch keine Ungerechtigkeit. Man kann fast sagen, dass Gerechtigkeit erst dann entsteht, wenn viele das Gleiche sehen.

So kam ich zum Thema Gerechtigkeit und musste feststellen, dass es allenfalls eine subjektive Gerechtigkeit gibt. Dennoch möchte ich versuchen, eine Annäherung an das Thema zu finden und werde das mit mehreren Texten tun. „Was ist Gerechtigkeit“ wird eine Serie, in der ich mich mit verschiedenen Themen im Bezug auf Gerechtigkeit beschäftigen möchte.

 

 

Weiblicher Sexismus

Sexismus ist männlich! Oder? Verfolgt man die momentane Debatte über den Hollywoodproduzenten Harvey Weinstein, bekommt man diesen Eindruck. Ein wütender, keifender Mob zieht durch die virtuellen Straßen und zerrt die sexistischen Altlasten hervor, um sie im Tageslicht zu präsentieren und sie medienwirksam zu zerfleischen. Aber das dürfen wohlgemerkt nur Frauen. Jedenfalls behaupten das einige von ihnen und so mancher Mann hebt zaghaft den Finger, um vielleicht doch ein Wort dazu zu sagen. Und das ist gut so. Diese Zaghaftigkeit wäre nicht nötig, denn diese Debatte betrifft alle, Männer wie Frauen. Das Argument vieler Frauen, Männer könnten ja gar nicht nachempfinden, wie es ist, sexuell belästigt zu werden, ist Blödsinn. Dürften jeweils nur die Betroffenen über ein gesellschaftliches Problem reden, käme es nie zu einer umfassenden Debatte, geschweige denn zu einem Konsens oder einer Lösung. Hinter dieser Forderung steckt, was die Äußernden so vehement verhindern wollen: Sexismus! Hier ist es allerdings weiblicher Sexismus, der Männern aufgrund ihres Geschlechtes verbieten will, eine Meinung zu diesem Thema haben zu dürfen oder sich an der Diskussion zu beteiligen. Aber das wird gar zu gerne übersehen, denn es gehe ja um Jahrtausende lange Unterdrückung, da sei Moralextremismus erlaubt. Und manche Frau bemerkt gar nicht, dass ihr die Borniertheit und Verbohrtheit, die sie den Männern vorwirft, selbst anhaften.

Sexismusdebatten beflügeln alle feministischen Unrechtsbekämpferinnen bei der Forderung, dass Jahrtausende währende Misogynie innerhalb weniger Wochen komplett ausgemerzt werden soll, inklusive einer Generalentschuldigung, die alle Männer leisten sollten. Männer sind die Täter und alle Teil des Problems und müssen sich ändern, damit endlich Gerechtigkeit herrschen kann. Aber kann man es sich wirklich so einfach machen? Sexismus im Sinne von Diskriminierung und Unterdrückung findet täglich statt. Und zwar gegen Männer und gegen Frauen. Die Beispiele der Frauenunterdrückung sind hinreichend bekannt, die Diskriminierung gegen Männer befindet sich in einer Grauzone. Sicher hat der Sexismus gegen Männer nicht die Methode wie jener gegen Frauen, dennoch ist er für die Betroffenen nicht weniger quälend.

Beispiele für weiblichen Sexismus
Es fängt bei der Behandlung von Jungen in der Grundschule an. Jungs sind in diesem Alter häufig schwieriger als Mädchen, daher erhalten Mädchen den Vorzug. „Beim Übergang auf das Gymnasium müssen Jungen eine deutlich höhere Leistung erbringen. Der Weg in die Berufsausbildung ist für Jungen erschwert“, kritisierte Universitätspräsident Dieter Lenzen (damals FU Berlin) schon vor Jahren. „Von allen Schulabgängern ohne Abschluss sind 62 Prozent Jungen.“ Die Ursachen dafür liegen nach Untersuchungen des Bundesbildungsministeriums auch in einer Vorherrschaft von weiblichen Lehrkräften. Jungen würden von ihnen häufig schlechter bewertet und behandelt.
Warum gerade in Kindergarten und Grundschule häufig Frauen arbeiten, liegt auf der Hand. Zum einen, weil sie traditionell die Erziehung der Kinder übernehmen, und zum anderen, weil männlichen Erziehern der Pauschalverdacht des sexuellen Missbrauchs an Kindern anhaftet. Manche Eltern haben schon ein Problem damit, dass ein Erzieher ihr Kind auf den Schoß nimmt. Was diese Eltern davon halten, wenn ein Erzieher ihr Kind wickelt, dürfte klar sein. Der Erzieher-Beruf ist sicher per se kein Berufsschlager für Männer, aber die wenigen, die sich dazu berufen fühlen, lassen sich sicherlich auch durch diesen Generalverdacht abschrecken.
Dabei sind Männer in einer Kita existenziell wichtig, gerade für die Beaufsichtigung der Jungen. Sich keilende Jungs lassen sich von einem Mann mit einem Wort auseinander bringen. Eine Frau schafft das oft nur mit Mühe. Diese Erfahrung habe ich in meinem Freiwilligen Sozialen Jahr im Kinderhort selbst machen dürfen und bekam sie auch von meinen Kolleginnen und Kollegen bestätigt.
Auch im Streit um das Sorgerecht für ein gemeinsames Kind haben Männer das Nachsehen. Männer erhalten vor Gericht nur in jedem siebten bis achten Fall den Zuspruch, Frauen in jedem Zweiten. Generell hat der Mann in zerbrochenen Beziehung gerne das Nachsehen. Eine Vielzahl von Männern verlieren nach einer Trennung nicht nur ihre Frau, sondern auch Haus und Kinder – und erhalten im Gegenzug die Pflicht zur Unterhaltszahlung. Ich kenne solche Geschichten aus dem Freundeskreis zur Genüge. Auch die Geschichten, in denen Männer jahrelang nichts von der Existenz ihres Kindes wissen und dann aufgefordert werden Unterhaltszahlungen zu leisten. In puncto Familie liegt die Vorteilsstellung, auch gesetzlich, bei der Frau und viele Männer leiden stark darunter. Den Aufschrei darüber vermisst man allerdings. Ob es an fehlender Aufschrei-Neigung der Männer liegt oder am mangelnden Interesse der Medien, man weiß es nicht. Fakt ist, dass auch Frauen Männer unterdrücken.

Fazit: Gleichberechtigung für Mann und Frau
Aber warum das alles? Warum grabe ich die Ungerechtigkeiten der Frauen aus, wo es doch darum gehen soll, Männern ihren Sexismus klar zu machen? Ist es nicht gut, dass Frauen endlich Gehör bekommen, und berichten können, was ihnen tagtäglich angetan wird? Ja und nein. Denn aller Aufschrei bringt nichts, wenn danach nur alles schlimmer wird. Denn was momentan erzeugt wird, sind Unsicherheit und Unmut. Viele können die Sexismusdebatte nicht mehr ernst nehmen und verbinden damit nur noch keifende Frauen, die Männer in ihrem bisherigen Leben und Handeln einschränken wollen. Und darum darf es nicht gehen! Bei der Emanzipation sollte es um Gleichberechtigung und zwar beider Geschlechter gehen, in der niemand eine Sonderstellung einnimmt. Diese Sonderstellung der Frau wird durch die einseitige Diskussionsführung, die momentan vorherrscht, allerdings erreicht.
Natürlich ist es richtig, Alltagssexismus, Diskriminierung und Unterdrückung von Frauen zu thematisieren, damit diese Zustände verbessert werden können. Aber das erlangt man nicht, indem man nur dem Mann pauschal die Schuld an allem gibt. Die weibliche Opferrolle, die einige Frauen für wünschenswert halten, mag zwar eine einfache Rolle sein, die einem das Mitgefühl anderer sichert, die einem die Schuldfrage abnimmt und in welcher man sich die Selbstreflexion sparen kann. Aber wie lange kann man sich vor der Verantwortung drücken und sich darauf beschränken andere für die Probleme verantwortlich zu machen?
Wer ernst genommen werden will, muss über die Selbstbemitleidung hinaus wachsen und dazu bereit sein sich selbst neu zu erfinden.
Ungerechtigkeit kann man nur mit Gerechtigkeit begegnen und Gerechtigkeit ist keine Einbahnstraße.

 

Anmerkung: Dieser Text erscheint auch bei Novo Argumente für den Fortschritt

#metoo

 

Derzeit ist der Aufschrei der Medien wieder groß, nachdem die sexuellen Machenschaften des Harvey Weinstein öffentlich gemacht wurden. Unzählige Frauen bekennen mit #metoo ihre Erfahrungen mit sexueller Gewalt und es wird deutlich, dass sexueller Missbrauch und Alltagssexismus präsent wie eh und je sind. Dieser reicht von Anmachsprüchen auf offener Straße, über tätliche sexuelle Belästigungen im Job, bis hin zur tätlichen sexuellen Gewalt. Die Medien überschlagen sich mit Artikeln zu diesem Thema. Berichte von betroffenen Frauen und aus welchem Bereich sie stammen bis hin zu Verhaltensregeln, die Männer befolgen sollten . Die Liste der in den letzten 2 Wochen erschienen Artikeln ist lang, sehr lang. Noch länger sind die Kommentarleisten unter den Artikeln, mit empörten und betroffenen Lesern.

Der Mann immer noch ein Höhlenmensch?
Das Thema ist wieder omnipräsent und zeigt die Brisanz die dahinter steckt. Sexismus existiert und vor allem der männliche Sexismus hat eine ungeheure Schlagkraft wenn es darum geht im Gespräch zu bleiben. Der böse Mann lebt mit seinem Denken eigentlich immer noch in der Höhle und sieht in der Frau nur die Gebährmaschine und den sexuellen Lustgewinn. Emanzipation hat also eigentlich noch gar nicht stattgefunden und der Mann muss mit Biegen und Brechen dazu gebracht werden, Frauen respektvoll zu behandeln. Wie es so ist mit den schnellen Medien heutzutage, haftet jedem Artikel ein gewisses Drama an, nichts verkauft oder klickt sich schließlich besser als ein Hauch Überemotionalität.

Wer hat recht?
Die Kommentare unter den Artikeln haben zwischen sich meist einen Graben. Da sind die Frauen, die moralextremistisch laut trommeln, dass jeder blöde Spruch auf der Straße sexuelle Belästigung ist und damit fast unweigerlich auch zur Vergewaltigung führen muss und da sind die Männer, die sich über die Übertreibung des Themas aufregen und das ganze nicht mehr wirklich ernst nehmen können. Tja, und wer hat nun recht? Wie immer liegt die Antwort irgendwo dazwischen.

#metoo Debatte
Ich finde diese #metoo Debatte eher verstörend, denn hier werden Flirt und sexueller Missbrauch in einem Atemzug genannt. Diese Dinge können vielleicht fließend sein aber dennoch kann man ein „Hey Schätzchen“, was einem jemand auf der Straße zu ruft, nicht mit dem Missbrauch von widerstandsunfähigen Personen oder sexueller Gewaltanwendung gleichsetzen! Ich empfinde es auch als empörend, eine vergewaltigte Frau auf eine Stufe zu stellen mit einer Frau die mal einen doofen Kommentar auf der Straße zu hören bekommen hat. Das verhöhnt die Opfer und trägt in puncto Ernsthaftigkeit nur dazu bei, dass dieses Thema zu einer Debatte von Pseudo Betroffenen verkommt.

Flirt oder sexuelle Belästigung?
Die Frauen die ich kenne, empfinden es in der Regel als schmeichelnd, wenn sie auf der Straße angflirtet werden. Natürlich gibt es Grenzen und man kann ein Hinterherpfeifen nicht vergleichen mit einer schmierigen Anmache, bei welcher der Flirter weder die Regeln des Mindestabstandes noch des guten Anstandes einhält. Ich kann nicht von mir auf andere schließen aber auch ich bin jahrelang in einer deutschen Großstadt tagtäglich mit Bus und Bahn unterwegs gewesen und habe so einiges in Sachen Anmache miterlebt. Es gab lustige Momente und auch Momente in denen ich mich lautstark verteidigt habe. Dazwischen lagen Welten und die lustigen Momente haben definitiv überwogen. Es mag auch eine Einstellungssache sein, aber man sollte einen Flirtversuch auch erst einfach mal als das stehen lassen was es ist und nicht gleich zu einem riesigen Ding aufbauschen und jedem Flirtwilligen gleich bösen Sexismus unterstellen. Ich denke das ist ein Punkt über den sich viele männliche Leser aufregen, vielleicht flirten sie selbst gern mal ein/e Mädchen/Frau auf der Straße an und wollen sich diese harmlose Sache auch nicht verbieten lassen. Warum auch? Wenn man hier anfinge, wo müsste man dann aufhören? Flirten nur noch nach vorheriger offizieller Absegnung? Ich weiß nicht was sich manche Frauen vorstellen, die fordern jegliches Flirten sollte verboten werden und Männer sollten sich ausschließlich an die Benimmregeln aus oben genannten Artikel halten, um mit einer Frau Kontakt aufzunehmen. Ich kann aber auch die Frauen verstehen, die in der allzu aufdringlichen Form des Flirtens einen Nährboden für Respektlosigkeit Frauen gegenüber sehen. Allerdings muss man dann auch einen netten Flirt von einer sexistischen Anmache unterscheiden. Sexuelle Belästigung ist definiert als: geschlechtsbezogene entwürdigende bzw. beschämende Bemerkungen und Handlungen, unerwünschte körperliche Annäherung, Annäherungen in Verbindung mit Versprechen von Belohnungen und/oder Androhung von Repressalien“. Ein Kompliment im Sinne von: „Ich finde du siehst gut aus“ ist also nicht gleichzusetzen mit „Ey Schlampe, du siehst fickbar aus“ oder sonstigen unflätigen Bemerkungen. Und die meisten Männer sind sich dieser Unterscheidung wohl bewusst und machen so etwas auch nicht. Der Nährboden für sexuellen Missbrauch ist also nicht der harmlose Flirt, sondern die sexuelle Belästigung!

Alltagssexismus
Und dann ist da noch der Alltagssexismus. Die Selbstverständlichkeit von Männern, Frauen als minderbemittelt darzustellen, sie als unwichtig abzutun und sie als Freiwild zu betrachten. Ich arbeite in einer Männerdomäne, ich kenne die Verhaltensweisen und kämpfe immer wieder dagegen an. Dennoch habe ich diese Tatsache als eine Herausforderung im Leben angesehen und nicht als Grund dafür mich permanent diskriminiert und schlecht behandelt zu fühlen. Ich finde Wege um das zu erlangen was ich will, das hat bisher immer geklappt und ich habe es noch nie für nötig befunden mich an eine Gleichstellungsbeauftragte wenden zu müssen, die mir mein Recht im Zweifel einklagt. Was hätte ich auch davon? Die Missgunst aller Kollegen und das blöde Gefühl das ich jeden Tag hätte, wenn ich zur Arbeit ginge. 
Aber es ist schwierig das aus Sicht einer jeden Frau zu beurteilen. Ich bin in einem Männerhaushalt groß geworden und kenne es gar nicht anders, als mich gegen Ignoranz gegen Frauen durchsetzen zu müssen. Aber ich habe es doch sehr oft verflucht, das es so ist. Aber so ist das Leben eben. Man kann sich das Wenigste aussuchen und muss mit vielem klar kommen, ob es einem passt oder nicht. 

Aber es gibt auch den hässlichen Sexismus der mir Kopfzerbrechen bereitet, keine Frage. Kurioser Weise erlebte ich ihn fast ausschließlich im Privaten, von Partnern und Freunden. Da war Beispielweise ein guter Bekannter der sehr zudringlich wurde und dem ich mich schließlich nur entziehen konnte, in dem ich den Kontakt abbrach. Ich erzählte Freunden davon, die uns beide kannten. Sie gaben mir die Schuld daran, ich hätte mich ja auch nicht so aufreizend kleiden dürfen. Und auch in Partnerschaften habe ich viel erlebt, was erniedrigend, demütigend und zerstörend war. Ich sollte die Frau sein, die funktioniert, die ausschließlich für den Partner da zu sein hatte und die kein Recht auf eigene Bedürfnisse hatte. Auch diesen Zuständen konnte ich nur durch Flucht entkommen. Verständnis und Einsicht konnte ich von den Herren nicht erwarten, denn am Ende war ich es ja die sich anstellte und sich aufregte. Im Nachhinein frage ich mich, wie ich in diese Strukturen geraten könnte aber das ist ein anderes Thema. Auf jeden Fall weiß ich was es heißt Alltagssexismus und auch Missbrauch ausgesetzt zu sein und ich erkenne die Unterschiede zwischen Klischee-Dummheit und wirklichem bösartigen Sexismus. Beides ist nicht schön aber nur der wirklich bösartige Seximus ist verurteilungswürdig. Die Klischee-Dummheit sollte man mit einem guten Spruch oder einem müden Lächeln abtun, denn mehr Emotion und Aufwand sollte man dabei nicht verschwenden. Das ist es einfach nicht wert.

Fazit: Nobody is perfect
Als Fazit möchte ich schließen, kein Mensch ist perfekt und auch Frauen sind sexistisch. Sie machen es anders, subtiler aber deswegen ist es nicht besser und Frauen werden dafür auch nicht an den Pranger gestellt und massenwirksam fertig gemacht. Lasst die Kirche im Dorf und unterscheidet zwischen nett gemeint, Dummheit und Bösartigkeit. Wir alle haben die Antennen um das eine vom anderen zu unterscheiden, wir müssen es nur wollen. Hysterie bringt niemandem etwas. Es geht doch darum ernst genommen zu werden, gehört zu werden und darum das sich wirklich etwas ändert. Mit Moralextremismus und Polemik erreicht man nur, dass mehr und mehr Leute das Thema belächeln und als hysterische Emanzen Debatte abtun und das sollte nicht passieren. Es ist gut, dass darüber gesprochen wird, auch dass dieses Thema diesen Hype erlebt denn nur so gelangt es in die Köpfe der Menschen. Aber dann sollte es auch als das hängen bleiben was es ist: Als Debatte um Gleichberechtigung, dass man niemanden einfach benutzen kann wie es einem passt, dass jeder den gleichen Respekt verdient hat und als ganzer und vollwertiger Mensch betrachtet werden sollte, ungeachtet welches Geschlecht er hat oder welche Nationalität, wie er sich kleidet oder aussieht.

Leben wir in einer Demokratie?

Ist die Demokratie der westlichen Welt noch glaub- und vertrauenswürdig? Nach dem Brexit und der Wahl Donald Trumps zum neuen Präsidenten der USA hat die Demokratie in den Augen vieler an Wert verloren. Trotz demokratischer Wahlen, in der sich die Mehrheit für den Brexit und Donald Trump entschieden haben, schlagen allerorts Menschen die Hände über dem Kopf zusammen und beschwören angesichts dieser Ereignisse den Niedergang der Demokratie herauf. Wie nur konnten die Wähler es zulassen, dass solch unvernünftige Entscheidungen getroffen wurden, heißt es.

Auch in Deutschland hadert man mit den Meinungen von Teilen der Bevölkerung, insbesondere den AfD-Wählern. Wenn sich so viele Wähler auf diese „Bauernfänger“ einlassen, kann man ihnen dann überhaupt noch eine Wahl anvertrauen? Manche Politiker zweifeln an der Mündigkeit der Wähler oder appellieren an sie, die eigene Stimme nicht zu verschenken an eine Partei wie die AFD.

Schon vor Jahren hatte der damalige Frankfurter FDP-Chef Dirk Pfeil seine Zweifel an der Wahlmündigkeit der Wähler artikuliert. In einem Interview sagt er der Frankfurter Neuen Presse: „Es ist schlimm, dass die Mehrheit der Bevölkerung keine politische Bildung genossen hat. Die Masse ist meinungslos, sprachlos.” Auf die Frage, ob die Wähler zu ungebildet sind, um die FDP zu verstehen, antwortet er: „Die Masse ja.” Außerdem verzweifle er „am mangelnden Willen der Wähler, sich ein bisschen schlauer zu machen.

Zunehmend gilt der Wähler als wahlunmündig. Er informiert sich nicht und verschenkt seine Stimme an Populisten. Dabei sind es meist nicht alle Wähler, die in Verdacht stehen, „falsch“ zu votieren. Es sind bestimmte Gruppen die verantwortlich gemacht werden für das Übel. Schuld sind die Alten und Ungebildeten, sowohl an der AfD als auch am Brexit und an Donald Trump. Analysen, die Aufschluss darüber geben, wer wen wählt, sind populär wie nie. Das Interesse daran wächst und es scheint, als würde verzweifelt nach einem Sündenbock gesucht, der für diese politischen Entwicklungen verantwortlich gemacht werden kann.In sozialen Netzwerken und auch in der Öffentlichkeit ist das Bashing der vermeintlich Schuldigen groß. AfD-Anhänger werden von Profilen in den Sozialen Medien verbannt und bei öffentlichen Veranstaltungen der AfD beschimpft und bedrängt.7Trump- Anhänger werden erst recht geächtet, so wie im Falle eines Essener Burgerbuden-Betreibers. Ihm gehen die Kunden aus, seit er öffentlich Trump seine Sympathie erklärt hat.8Es gibt in den Augen vieler zwei Arten von Wählern: gute und schlechte. Die Guten klopfen sich auf die Schulter und loben sich dafür, das einzig Richtige zu tun. Die Bösen werden beschimpft, ausgeschlossen und zur nationalen Bedrohung hochstilisiert. Mittels eines Sündenbocks lassen sich alle Probleme leicht erklären. Wie es allerdings zu den Problemen gekommen ist und was sich dagegen tun ließe, bleibt dabei aus. Die Ursachen für genannten Wahlentscheidungen werden zwar von den Medien immer wieder thematisiert, ein Umgang damit aber nicht oder nur zögerlich gefunden.9Sowohl bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl wie auch beim Brexit resultierte die Entscheidung auch aus verletzten Gemütern und einen über jahrzehntelange entstandenen Verdruss über Politik und die Landesführung. Viele fühlten sich von der etablierten Politik nicht repräsentiert und verstanden. Sie hatten das Gefühl bei politischen Alleingängen des Staates übergangen zu werden, wie im Beispiel der Flüchtlingskrise (die auch genutzt wurde, um in Großbritannien und in den USA Stimmung gegen Einwanderer zu machen).10Das hatte ein Großteil der Bevölkerung satt. Protest wurde laut und wenn einzelne Stimmen nicht gehört werden, suchen sie sich einen, der ihnen eine Stimme gibt. Ungeachtet dessen, ob dieser dann auch in Gänze fähig und willens wäre, die Interessen dieser Stimmen durchzusetzen. Die jahrelang entstandene Wut verlangte nach Entladung und daher war es sowohl für die Brexit-Frontleute als auch für Donald Trump ein Leichtes, dieser Stimme Gewicht zu verleihen. Sie sprachen dem wütenden Bürger mit ihren Worten und ihren Argumenten aus der Seele und bekamen den Zuspruch jener, die sich jahrelang nicht gehört und beachtet fühlten.

Die jeweilige Wählermehrheit mag als wütend und verdrossen beschreiben, als dumm und ungebildet sollte man sie nicht betrachten. Sie wollten wieder eine Stimme haben, sie wollten etwas bewegen können, und sei es durch eine sehr kontroverse Entscheidung.

Statt der Mehrheit abzusprechen, wahlfähig zu sein geht es vielmehr darum, die Bürger mehr in demokratische Entscheide mit einzubinden. Viel früher und transparenter und nicht erst dann, wenn nichts mehr zu retten ist. Eine Demokratie kann nur funktionieren, wenn alle Beteiligten eine Stimme haben und die Entscheidungen im Sinne der Mehrheit getroffen werden.

Wenn sich wichtige Teile des Volkes nicht richtig vertreten fühlen, rächen sie sich, und es ist an der Politik, ihr Vertrauen zurückzugewinnen. Aber wie kann das gehen? Jeder Staat legt Demokratie anders aus. In der Schweiz gibt es eine direkte Demokratie. Die Stimmbürger aller Gemeinden, Kantonen und Bundesstaaten gelten als oberste Gewalt und entscheiden in Sachfragen abschließend. Viermal jährlich finden Volksabstimmungen statt, in welcher die Bürger in bis zu zehn Entscheiden über Sachfragen, Gesetze und auch über Haushaltsvorschläge abstimmen können. Die direkte Demokratie gehört zu den eine der beliebtesten Grundlagen des Schweizer politischen Systems.

Direkte Demokratie wird attraktiv. Das Bedürfnis der Bürger nach mehr Selbstbestimmung in politischen Fragen wächst. Auch andere Länder lassen vermehrt Sachverhalte per Volksentscheid zu. Der deutsche EU-Parlamentsabgeordnete und Mitbegründer des Vereins „Mehr Demokratie”, Gerald Häfner (Grüne) befürwortet diese Entwicklung. Er sieht aber auch die Schwachstellen in den Volksentscheiden anderer Länder. Denn worüber abgestimmt wird, wird von oben entschieden, während in der Schweiz fakultative Referenden und Volksinitiativen von den Bürgern ausgehen. Über welche Themen abgestimmt wird, liegt hier nicht in den Händen der politischen Repräsentanten. Nach Häfner kann direkte Demokratie nur funktionieren, wenn sowohl der abzustimmende Sachverhalt als auch die Abstimmung vom Volk ausgeht oder ausgehen kann. Volksabstimmungen wie sie z.B. in Großbritannien durchgeführt wurden, sind in seinen Augen nur ein taktisches Mittel zur Bestätigung der Machthabenden und haben mit wirklicher Mitbestimmung der Bürger wenig zu tun. Auch der Politikwissenschaftler David Altmann sieht in dieser Art der Volksabstimmung eher einen schädlichen als einen wirklich demokratischen Geist.

Ein gutes Beispiel hierfür ist der Brexit. David Cameron, ein Mann dem sein politischer Aufstieg mit Hilfe seines Europa Skeptizismus gelang, der aber eigentlich ein Modernisierer sein wollte. Seine europaskeptische Partei hat ihm zu dem verholfen was er geworden war, mit Parteivorsitz in Brüssel. Er konnte nicht einfach kehrt machen und sagen “Europa ist eine super Sache”. Er war seiner Partei etwas schuldig. Als der Druck zu hoch wurde, tat er was wohl jeder tut, der in die Enge getrieben wird. Er versuchte sich daraus zu befreien und das tat er mit einem, in seinen Augen, sicheren Mittel, denn es war nicht damit zu rechnen, dass dieser Umstand wirklich jemals eintreten würde. Er gab das Versprechen, sollte er alleiniger Entscheider sein, würde er ein Referendum aufstellen über den Verbleib Großbritanniens in der EU. Aber es kam alles anders. Er hatte weiterhin Erfolg, die Konservativen gewannen die absolute Mehrheit und Cameron war Alleinentscheider. Nun musste er sein Versprechen einhalten und das Referendum zu lassen.

Als es Cameron zu viel wurde, sprang Boris Johnson auf den Brexit auf und auch er nutzte diesen für seine Zwecke. Beide, Cameron und Johnson hatten nicht damit gerechnet dass ihr Volk  wirklich mit einem “Ja” stimmen könnte. Aber sie taten es!

David van Reybrouck, ein belgischer Historiker und Gegner des westlichen Wahlsystems, sieht im Brexit das demokratische Versagen der momentanen Form der Demokratie. Politiker die politische Entscheidungen instrumentalisieren für ihre eigenen Zwecke, Medien die nicht richtig aufklären und ein Volk das frustriert ist von der herrschenden Politik. Sie lassen sich fangen von Populisten, die ihnen sagen was sie hören wollen, richtige Inhalte kommen aber nicht an bei den Wählern. So treffen sie eine Wahlentscheidung  mit ungenauer Wissensgrundlage. Van Reybrouck sieht in den vorherrschenden demokratischen Wahlen ein primitives Instrument. Er sieht die Macht nicht beim Volk, sondern bei den Medien und den Parteien. Die Medien beeinflussen und prägen die politischen Debatten und die führenden Parteien nutzen ihren Hoheitsanspruch aus. Mit Nähe zum Bürger hat das wenig zu tun, zumal Parteien und Bundespolitiker nicht vertrauenswürdig erscheinen. Das Vertrauen in die deutschen Spitzenpolitiker bewegt sich prozentual gesehen im einstelligen Bereich.14Mehr Vertrauen wird den Landespolitikern entgegengebracht. Man kann mutmaßen, dass das auch an der direkten Nähe zum Bürger liegt.

Auf Bundesebene werden Wähler in van Reybroucks Augen wie „Wahlvieh“ behandelt. Sie sollen ihre Stimme abgeben, werden aber den Rest der Legislaturperiode nicht für voll genommen. Wähler sollten aber wie Erwachsene behandelt werden, nur dann fühlen sie sich auch ernst genommen und es kann eine wirkliche Macht vom gesamten Volk ausgehen.

Mit G1000 hat van Reybrouck ein Wahlsystem gegründet, was auf Rousseau und Montesquie zurückgeht. Das System funktioniert durch Losentscheid. Van Reybrouck hat es bereits getestet. In einem offenen Verfahren, dass online ausgetragen wurde und an dem alle Bürger Belgiens teilnehmen konnten, wird die Tagesordnung bestimmt. Die Punkte werden somit mehrheitlich entschieden und nicht von den Organisatoren vorgegeben. Nach Abschluss der Umfrage wurden 1000 Menschen eingeladen, um auf einer Tagung über die beschlossenen Themen zu diskutieren. Ausgewählt wurden Menschen aus allen Schichten, ungeachtet welchen Hintergrund und Lebensweise sie hatten. Mediatoren leiteten die Diskussion, so das alle Meinungen gehört wurden und mit in die endgültige Entscheidung mit einfließen konnten. Es war ein erfolgreiches Unterfangen, auch wenn nur 700 der 1000 Ausgewählten erschien. Arbeiter, Akademiker und Obdachlose saßen zusammen und berieten über Themen wie den Sozialstaat, Migration und andere politische Themen und das in respektvollem Miteinander. Für alle Teilnehmer war es eine außergewöhnliche Erfahrung, die sie sicher zum Nachdenken brachte.15Mit der Politik ist es ein bisschen wie mit der Schule. Lernen ist etwas ganz Natürliches,was jeden Menschen erfüllt und erfreut, wenn er es in einem anregenden Umfeld tun kann. Politik und somit Entscheidungen die über die Geschicke der Gemeinschaft abstimmen ist ebenfalls etwas ganz Natürliches und Spannendes, wenn man alle Beteiligten mit einbezieht, ihnen eine Stimme gibt. Wenn man die Stimmen aber kastriert und sie immer wieder enttäuscht, dann verlieren sie ihre Lust daran, konstruktiv mitzuwirken, wie es von ihnen verlangt wird. Es geht also darum, den Ausgangszustand wieder herzustellen. Jeder sollte tun dürfen was ihm zusteht. Nur so ist es möglich die Gesellschaft als Ganzes zu heilen, wie es der Philosoph Kwasi Wireda ausdrückt.

1https://www.welt.de/politik/deutschland/article157651667/Wie-die-AfD-von-der-Panik-der-Parteien-profitiert.html

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3http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/brexit/wahl-analyse-die-alten-waehlten-den-brexit-14301861.html

4http://www.spiegel.de/politik/ausland/ergebnis-us-wahl-2016-jung-waehlt-clinton-alt-waehlt-trump-a-1120396.html

5http://www.spektrum.de/news/wer-waehlt-die-afd-und-warum/1423189

6https://causa.tagesspiegel.de/politik/wie-zuverlaessig-sind-meinungsumfragen-noch/gute-meinungsforschung-schlechte-meinungsforschung.html

7https://www.welt.de/politik/deutschland/article162542799/Wahlkampf-Auftakt-wird-zum-Spiessrutenlauf-fuer-AfD-Anhaenger.html

8http://www.focus.de/kultur/kino_tv/geht-er-bald-pleite-nach-trump-bekenntnis-essener-burger-laden-chef-laufen-die-gaeste-davon_id_6651335.html

9http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kanzlerin-angela-merkel-will-staerker-auf-afd-waehler-zugehen-14212858.html

10http://www.stern.de/politik/deutschland/angela-merkels-alleingang-in-der-fluechtlingspolitik-und-seine-folgen-7033820.html

11http://www.planet-wissen.de/kultur/mitteleuropa/urlaubsland_schweiz/pwiedirektedemokratieinderschweiz100.html

12http://www.luzernerzeitung.ch/nachrichten/schweiz/Direkte-Demokratie-liegt-im-Trend;art9641,955343

13https://www.welt.de/politik/ausland/article156514452/Wie-David-Cameron-versehentlich-Europa-opferte.html

14https://de.statista.com/statistik/daten/studie/191776/umfrage/vertrauen-in-politiker/

15http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/david-van-reybrouck-die-rolle-der-lobbyisten-in-bruessel/9941860-2.html

Was Männer „wollen“


Wenn man einen Mann will muss man sich über 2 Dinge klar werden: will ich nur Spaß oder will ich mich binden? Ein “Vielleicht” wird nicht funktionieren, denn Männer verstehen nur das eine oder das andere. Wer keine klaren Angaben macht und sich leicht zum Spaß hinreißen lässt, der wird für eine Beziehung nicht mehr in Betracht. Denn, reicht man einem Mann erst den kleinen Finger in Sachen Sexualität, reißt er gleich den ganzen Arm und den Rest auch noch an sich. Und ein Zurück gibt es dann nicht mehr.

Männer funktionieren einfach, dass weiß jeder seit langem, aber Frauen neigen dazu mehr in das Verhalten der Männer hinein zu interpretieren als da ist. Sie denken zu sehr in ihren eigenen Mustern. Sie suchen die eigenen Wünsche und Träume im männlichen Gebaren, werden aber oft enttäuscht weil nicht eintrifft was sie sich vorstellen.

Männer funktionieren nicht wie Frauen, sie sind nicht gut darin viele Dinge zu vereinen. Ein Mann ist in der Regel klar strukturiert und braucht somit klare Angaben. Die versteht er und kann dann auch damit umgehen.

Was er hingegen nicht kann, ist sich wirklich klar darüber zu sein was er will. Männer wünschen sich eine Mutterfigur, beste Freundin und eine geile Schlampe mit der es im Bett keine Grenzen gibt. Das Problem ist nur, sie wollen nicht eine einzige Frau dafür, nur das gestehen sich die wenigsten wirklich ein.

Männer teilen Frauen gerne in 2 Kategorien ein: Jungfrau Maria und Mata Harie. Die Frau die ihre Kinder bekommen soll, muss anständig sein und ihr soziales Leben sichern, gleicht also einer Jungfrau Maria. Die Mata Harie symbolisiert das Abenteuer und die geistige Herausforderung. Hier wollen sie spielen und sich ausleben. Als Frau ist man entweder das eine oder das andere und darüber sollte Frau sich bewusst sein.

Wenn man einem Mann frühzeitig zeigt, dass man Spaß am Sex und das auch nach außen zeigt und lebt wird er wahrscheinlich nicht mehr die Jungfrau Maria in einem sehen und somit sind die Weichen gestellt. Ist man einmal einsortiert in eine Schublade ist es schwer dort wieder rauszukommen. Menschen lieben ihre Schubladen und tun sich schwer damit sie erneut zu öffnen und neu zu sortieren, gerade dann wenn eine Verknüpfung mit einem emotionalen Moment bereits gegeben ist. Und, wie jeder weiß, ist Sex ein starker Impuls des Mannes und mit viel Leidenschaft verknüpft. Und einen liebgewonnen Gedanken lässt man nicht mehr gern los.

 

Ich glaube viele Männer sind in ihrem Denken noch sehr viel altmodischer als sie jemals zugeben würden. Sie verurteilen zwar religiöse Denkweisen wie die des Islams, die aus ihren Frauen ein Objekt konstruieren das bestimmten Regeln folgen muss um akzeptiert zu werden und alle, die diesen Regeln nicht folgen ein Verstoß droht, aber im Prinzip betreiben sie nur eine entschärfte Variante der Symbolisierung der Frau. Das Ergebnis unterscheidet sich nur im Ausmaß des Umgangs. Hier werden die Mata Haries zwar als Menschen akzeptiert aber als Frauen an sich missachtet und benutzt. Sie haben die Rolle des illustren Zeitvertreibers, des Aufmunterers, der Hure, des Zuhörers, des Psychologen. Sie sollen all das ausgleichen, was im Alltag fehlt, werden aus dem realen Leben aber ausgeschlossen. Sie sind die Traumreisen in ein perfektes Leben, in denen der Mann der Kerl sein kann, der er insgeheim gerne wäre. Wo ihm keiner vorschreibt was er zu tun und zu lassen hat. Wo er einfach  tun und lassen kann wonach ihm ist, ohne Rücksicht auf Verluste. Hier findet er seine Katharsis, seine Entladung von all dem Ärger und Unterdrücktem aus dem Alltag. Flucht vorm ständigen Benehmen müssen, vorm Zusammenreißen, vorm Ärger Runterschlucken, vorm Tun was einem gesagt wird, vorm nicht ernstgenommen werden, vorm Funktionieren müssen. Und da eine Mata Harie in seinen Augen keine richtige Person ist, da sie zum Objekt symbolisiert wird, gelten für sie auch nicht die gleichen Regeln, die für andere Frauen gelten. Verpflichtungen gibt es nicht und auch das Benehmen ändert sich. Es geht ihm schließlich nicht um sie, sondern darum seinen Spaß zu haben, was auch immer dafür nötig ist.

Es hört sich böse an, denn in den Momenten in denen Mann mit Mata Harie zusammen ist oder an sie denkt, ist sie ihm wichtig, sehr sogar aber mehr als irrealer Traum nicht als Realität. Sie bleibt für ihn die Flucht, denn er weiß im Alltag kommt es auf andere Dinge an. Und für den Alltag hat er seine Jungfrau Maria, die reine Frau, die seine Kinder gebärt und die ihm ein sozial anerkanntes Leben bietet und auch für ihn organisiert. Das er dabei seine Männlichkeit über Bord wirft nimmt er in Kauf, da ihm die soziale Anerkennung vordergründig wichtiger ist als sein persönliches Wohlbefinden. Der schöne Schein mit gutem Job, Kinder, Haus, Hund und Frau ist ihm eingeimpft und so in Mark und Bein übergegangen, dass er meistens gar nicht merkt, wie sehr im die Selbstverwirklichung fehlt. In seinen schwachen Momenten begehrt dieses Gefühl in ihm auf, verlangt Beachtung und will befriedigt werden. In diesen Momenten wendet er sich an eine Mata Harie, ist wie er es eigentlich immer gerne wäre, umgarnt sie, ist aufmerksam, damit sie ihm das gibt, was er in seinem Alttag nicht erhält. Es ist wie ein Rausch in dem sich diese kurzen Beziehungsmomente vollziehen. Manchmal dauern sie nur einige Minuten, manchmal auch Stunden oder sogar Tage. Aber sie sind vorübergehend und genau darauf kommt es ihm an. Denn er schafft es gar nicht solange er selbst zu bleiben. Sobald sich seine Großhirnrinde und somit sein Bewußtsein wieder einstellt, fällt ihm wieder ein woraus sein Leben denn eigentlich besteht. Das er gar nicht dazu in der Lage ist auf seinen ganz eigenen Füßen zu stehen, dass es soviel in seinem Leben gibt von dem er abhängig ist und das ist maßgeblich auch seine Frau. Somit wird er sich wieder entziehen und reumütig zu seiner Frau zurück kriechen um einige Tage oder Wochen den perfekten Ehemann zu geben. Teils aus Schuldgefühl, teils aus Dankbarkeit, dass alles so weitergeht wie gehabt. Aber es wird nicht ewig dauern, bis sein Begehren zurückkehrt und er sich nach seiner Mata Harie zurücksehnt.

 

Für alle Mata Haries: lasst Euch nicht ausnutzen, benutzt und spielt selbst! Lasst Euch nicht einreden ihr seid falsch, nur weil ihr dem gesellschaftlichen Zwang eines längst überholten monotheistischen und patriarchalischen Konstruktes nicht folgen wollt!! Und grämt Euch nicht wenn ihr keinen Mann an eurer Seite habt. Ihr seid stark!! Viel stärker als die meisten anderen um Euch herum. Denn ihr schafft, was Nietzsche zu Recht forderte: werdet Euer eigener Übermensch! Seid unabhängig und verantwortlich für Euch und Euer Leben. Habt kein Verlangen nach einem Gott oder anderem, der über Euer Leben richtet und Euch sagt was Richtig oder Falsch ist. Alles was ihr braucht tragt ihr in Euch selbst. Ihr seid Euch selbst genug. Vielleicht nicht immer, aber doch soviel dass Euch Eure Überzeugung wichtiger ist, als irgendwelche gesellschaftlichen Regeln. Seid stolz, dass Ihr so seid und lasst Euch nicht einreden Ihr macht etwas falsch. Ihr seid konsequent und stark genug Eurer Überzeugung zu folgen und alleine das sollte Euch immer wieder zeigen, wer hier einem Irrweg folgt!

 

Abschließend möchte ich noch die Allgemeingültigkeit meiner Ausführung ausschließen. Nicht alle Männer sind so! Aber ich wollte diese Art männlichen Verhaltens einmal ausführen, da es doch viele Männer gibt die sich so verhalten und Frauen damit in den Wahnsinn treiben. Auch Frauen haben ihre kuriosen Seiten und bei Zeiten werde ich auch dieses Verhalten ausführen aber mit irgendwas muss man ja anfangen nicht wahr :).