Weiblicher Sexismus

Sexismus ist männlich! Oder? Verfolgt man die momentane Debatte über den Hollywoodproduzenten Harvey Weinstein, bekommt man diesen Eindruck. Ein wütender, keifender Mob zieht durch die virtuellen Straßen und zerrt die sexistischen Altlasten hervor, um sie im Tageslicht zu präsentieren und sie medienwirksam zu zerfleischen. Aber das dürfen wohlgemerkt nur Frauen. Jedenfalls behaupten das einige von ihnen und so mancher Mann hebt zaghaft den Finger, um vielleicht doch ein Wort dazu zu sagen. Und das ist gut so. Diese Zaghaftigkeit wäre nicht nötig, denn diese Debatte betrifft alle, Männer wie Frauen. Das Argument vieler Frauen, Männer könnten ja gar nicht nachempfinden, wie es ist, sexuell belästigt zu werden, ist Blödsinn. Dürften jeweils nur die Betroffenen über ein gesellschaftliches Problem reden, käme es nie zu einer umfassenden Debatte, geschweige denn zu einem Konsens oder einer Lösung. Hinter dieser Forderung steckt, was die Äußernden so vehement verhindern wollen: Sexismus! Hier ist es allerdings weiblicher Sexismus, der Männern aufgrund ihres Geschlechtes verbieten will, eine Meinung zu diesem Thema haben zu dürfen oder sich an der Diskussion zu beteiligen. Aber das wird gar zu gerne übersehen, denn es gehe ja um Jahrtausende lange Unterdrückung, da sei Moralextremismus erlaubt. Und manche Frau bemerkt gar nicht, dass ihr die Borniertheit und Verbohrtheit, die sie den Männern vorwirft, selbst anhaften.

Sexismusdebatten beflügeln alle feministischen Unrechtsbekämpferinnen bei der Forderung, dass Jahrtausende währende Misogynie innerhalb weniger Wochen komplett ausgemerzt werden soll, inklusive einer Generalentschuldigung, die alle Männer leisten sollten. Männer sind die Täter und alle Teil des Problems und müssen sich ändern, damit endlich Gerechtigkeit herrschen kann. Aber kann man es sich wirklich so einfach machen? Sexismus im Sinne von Diskriminierung und Unterdrückung findet täglich statt. Und zwar gegen Männer und gegen Frauen. Die Beispiele der Frauenunterdrückung sind hinreichend bekannt, die Diskriminierung gegen Männer befindet sich in einer Grauzone. Sicher hat der Sexismus gegen Männer nicht die Methode wie jener gegen Frauen, dennoch ist er für die Betroffenen nicht weniger quälend.

Beispiele für weiblichen Sexismus
Es fängt bei der Behandlung von Jungen in der Grundschule an. Jungs sind in diesem Alter häufig schwieriger als Mädchen, daher erhalten Mädchen den Vorzug. „Beim Übergang auf das Gymnasium müssen Jungen eine deutlich höhere Leistung erbringen. Der Weg in die Berufsausbildung ist für Jungen erschwert“, kritisierte Universitätspräsident Dieter Lenzen (damals FU Berlin) schon vor Jahren. „Von allen Schulabgängern ohne Abschluss sind 62 Prozent Jungen.“ Die Ursachen dafür liegen nach Untersuchungen des Bundesbildungsministeriums auch in einer Vorherrschaft von weiblichen Lehrkräften. Jungen würden von ihnen häufig schlechter bewertet und behandelt.
Warum gerade in Kindergarten und Grundschule häufig Frauen arbeiten, liegt auf der Hand. Zum einen, weil sie traditionell die Erziehung der Kinder übernehmen, und zum anderen, weil männlichen Erziehern der Pauschalverdacht des sexuellen Missbrauchs an Kindern anhaftet. Manche Eltern haben schon ein Problem damit, dass ein Erzieher ihr Kind auf den Schoß nimmt. Was diese Eltern davon halten, wenn ein Erzieher ihr Kind wickelt, dürfte klar sein. Der Erzieher-Beruf ist sicher per se kein Berufsschlager für Männer, aber die wenigen, die sich dazu berufen fühlen, lassen sich sicherlich auch durch diesen Generalverdacht abschrecken.
Dabei sind Männer in einer Kita existenziell wichtig, gerade für die Beaufsichtigung der Jungen. Sich keilende Jungs lassen sich von einem Mann mit einem Wort auseinander bringen. Eine Frau schafft das oft nur mit Mühe. Diese Erfahrung habe ich in meinem Freiwilligen Sozialen Jahr im Kinderhort selbst machen dürfen und bekam sie auch von meinen Kolleginnen und Kollegen bestätigt.
Auch im Streit um das Sorgerecht für ein gemeinsames Kind haben Männer das Nachsehen. Männer erhalten vor Gericht nur in jedem siebten bis achten Fall den Zuspruch, Frauen in jedem Zweiten. Generell hat der Mann in zerbrochenen Beziehung gerne das Nachsehen. Eine Vielzahl von Männern verlieren nach einer Trennung nicht nur ihre Frau, sondern auch Haus und Kinder – und erhalten im Gegenzug die Pflicht zur Unterhaltszahlung. Ich kenne solche Geschichten aus dem Freundeskreis zur Genüge. Auch die Geschichten, in denen Männer jahrelang nichts von der Existenz ihres Kindes wissen und dann aufgefordert werden Unterhaltszahlungen zu leisten. In puncto Familie liegt die Vorteilsstellung, auch gesetzlich, bei der Frau und viele Männer leiden stark darunter. Den Aufschrei darüber vermisst man allerdings. Ob es an fehlender Aufschrei-Neigung der Männer liegt oder am mangelnden Interesse der Medien, man weiß es nicht. Fakt ist, dass auch Frauen Männer unterdrücken.

Fazit: Gleichberechtigung für Mann und Frau
Aber warum das alles? Warum grabe ich die Ungerechtigkeiten der Frauen aus, wo es doch darum gehen soll, Männern ihren Sexismus klar zu machen? Ist es nicht gut, dass Frauen endlich Gehör bekommen, und berichten können, was ihnen tagtäglich angetan wird? Ja und nein. Denn aller Aufschrei bringt nichts, wenn danach nur alles schlimmer wird. Denn was momentan erzeugt wird, sind Unsicherheit und Unmut. Viele können die Sexismusdebatte nicht mehr ernst nehmen und verbinden damit nur noch keifende Frauen, die Männer in ihrem bisherigen Leben und Handeln einschränken wollen. Und darum darf es nicht gehen! Bei der Emanzipation sollte es um Gleichberechtigung und zwar beider Geschlechter gehen, in der niemand eine Sonderstellung einnimmt. Diese Sonderstellung der Frau wird durch die einseitige Diskussionsführung, die momentan vorherrscht, allerdings erreicht.
Natürlich ist es richtig, Alltagssexismus, Diskriminierung und Unterdrückung von Frauen zu thematisieren, damit diese Zustände verbessert werden können. Aber das erlangt man nicht, indem man nur dem Mann pauschal die Schuld an allem gibt. Die weibliche Opferrolle, die einige Frauen für wünschenswert halten, mag zwar eine einfache Rolle sein, die einem das Mitgefühl anderer sichert, die einem die Schuldfrage abnimmt und in welcher man sich die Selbstreflexion sparen kann. Aber wie lange kann man sich vor der Verantwortung drücken und sich darauf beschränken andere für die Probleme verantwortlich zu machen?
Wer ernst genommen werden will, muss über die Selbstbemitleidung hinaus wachsen und dazu bereit sein sich selbst neu zu erfinden.
Ungerechtigkeit kann man nur mit Gerechtigkeit begegnen und Gerechtigkeit ist keine Einbahnstraße.

 

Anmerkung: Dieser Text erscheint auch bei Novo Argumente für den Fortschritt

#metoo

 

Derzeit ist der Aufschrei der Medien wieder groß, nachdem die sexuellen Machenschaften des Harvey Weinstein öffentlich gemacht wurden. Unzählige Frauen bekennen mit #metoo ihre Erfahrungen mit sexueller Gewalt und es wird deutlich, dass sexueller Missbrauch und Alltagssexismus präsent wie eh und je sind. Dieser reicht von Anmachsprüchen auf offener Straße, über tätliche sexuelle Belästigungen im Job, bis hin zur tätlichen sexuellen Gewalt. Die Medien überschlagen sich mit Artikeln zu diesem Thema. Berichte von betroffenen Frauen und aus welchem Bereich sie stammen bis hin zu Verhaltensregeln, die Männer befolgen sollten . Die Liste der in den letzten 2 Wochen erschienen Artikeln ist lang, sehr lang. Noch länger sind die Kommentarleisten unter den Artikeln, mit empörten und betroffenen Lesern.

Der Mann immer noch ein Höhlenmensch?
Das Thema ist wieder omnipräsent und zeigt die Brisanz die dahinter steckt. Sexismus existiert und vor allem der männliche Sexismus hat eine ungeheure Schlagkraft wenn es darum geht im Gespräch zu bleiben. Der böse Mann lebt mit seinem Denken eigentlich immer noch in der Höhle und sieht in der Frau nur die Gebährmaschine und den sexuellen Lustgewinn. Emanzipation hat also eigentlich noch gar nicht stattgefunden und der Mann muss mit Biegen und Brechen dazu gebracht werden, Frauen respektvoll zu behandeln. Wie es so ist mit den schnellen Medien heutzutage, haftet jedem Artikel ein gewisses Drama an, nichts verkauft oder klickt sich schließlich besser als ein Hauch Überemotionalität.

Wer hat recht?
Die Kommentare unter den Artikeln haben zwischen sich meist einen Graben. Da sind die Frauen, die moralextremistisch laut trommeln, dass jeder blöde Spruch auf der Straße sexuelle Belästigung ist und damit fast unweigerlich auch zur Vergewaltigung führen muss und da sind die Männer, die sich über die Übertreibung des Themas aufregen und das ganze nicht mehr wirklich ernst nehmen können. Tja, und wer hat nun recht? Wie immer liegt die Antwort irgendwo dazwischen.

#metoo Debatte
Ich finde diese #metoo Debatte eher verstörend, denn hier werden Flirt und sexueller Missbrauch in einem Atemzug genannt. Diese Dinge können vielleicht fließend sein aber dennoch kann man ein „Hey Schätzchen“, was einem jemand auf der Straße zu ruft, nicht mit dem Missbrauch von widerstandsunfähigen Personen oder sexueller Gewaltanwendung gleichsetzen! Ich empfinde es auch als empörend, eine vergewaltigte Frau auf eine Stufe zu stellen mit einer Frau die mal einen doofen Kommentar auf der Straße zu hören bekommen hat. Das verhöhnt die Opfer und trägt in puncto Ernsthaftigkeit nur dazu bei, dass dieses Thema zu einer Debatte von Pseudo Betroffenen verkommt.

Flirt oder sexuelle Belästigung?
Die Frauen die ich kenne, empfinden es in der Regel als schmeichelnd, wenn sie auf der Straße angflirtet werden. Natürlich gibt es Grenzen und man kann ein Hinterherpfeifen nicht vergleichen mit einer schmierigen Anmache, bei welcher der Flirter weder die Regeln des Mindestabstandes noch des guten Anstandes einhält. Ich kann nicht von mir auf andere schließen aber auch ich bin jahrelang in einer deutschen Großstadt tagtäglich mit Bus und Bahn unterwegs gewesen und habe so einiges in Sachen Anmache miterlebt. Es gab lustige Momente und auch Momente in denen ich mich lautstark verteidigt habe. Dazwischen lagen Welten und die lustigen Momente haben definitiv überwogen. Es mag auch eine Einstellungssache sein, aber man sollte einen Flirtversuch auch erst einfach mal als das stehen lassen was es ist und nicht gleich zu einem riesigen Ding aufbauschen und jedem Flirtwilligen gleich bösen Sexismus unterstellen. Ich denke das ist ein Punkt über den sich viele männliche Leser aufregen, vielleicht flirten sie selbst gern mal ein/e Mädchen/Frau auf der Straße an und wollen sich diese harmlose Sache auch nicht verbieten lassen. Warum auch? Wenn man hier anfinge, wo müsste man dann aufhören? Flirten nur noch nach vorheriger offizieller Absegnung? Ich weiß nicht was sich manche Frauen vorstellen, die fordern jegliches Flirten sollte verboten werden und Männer sollten sich ausschließlich an die Benimmregeln aus oben genannten Artikel halten, um mit einer Frau Kontakt aufzunehmen. Ich kann aber auch die Frauen verstehen, die in der allzu aufdringlichen Form des Flirtens einen Nährboden für Respektlosigkeit Frauen gegenüber sehen. Allerdings muss man dann auch einen netten Flirt von einer sexistischen Anmache unterscheiden. Sexuelle Belästigung ist definiert als: geschlechtsbezogene entwürdigende bzw. beschämende Bemerkungen und Handlungen, unerwünschte körperliche Annäherung, Annäherungen in Verbindung mit Versprechen von Belohnungen und/oder Androhung von Repressalien“. Ein Kompliment im Sinne von: „Ich finde du siehst gut aus“ ist also nicht gleichzusetzen mit „Ey Schlampe, du siehst fickbar aus“ oder sonstigen unflätigen Bemerkungen. Und die meisten Männer sind sich dieser Unterscheidung wohl bewusst und machen so etwas auch nicht. Der Nährboden für sexuellen Missbrauch ist also nicht der harmlose Flirt, sondern die sexuelle Belästigung!

Alltagssexismus
Und dann ist da noch der Alltagssexismus. Die Selbstverständlichkeit von Männern, Frauen als minderbemittelt darzustellen, sie als unwichtig abzutun und sie als Freiwild zu betrachten. Ich arbeite in einer Männerdomäne, ich kenne die Verhaltensweisen und kämpfe immer wieder dagegen an. Dennoch habe ich diese Tatsache als eine Herausforderung im Leben angesehen und nicht als Grund dafür mich permanent diskriminiert und schlecht behandelt zu fühlen. Ich finde Wege um das zu erlangen was ich will, das hat bisher immer geklappt und ich habe es noch nie für nötig befunden mich an eine Gleichstellungsbeauftragte wenden zu müssen, die mir mein Recht im Zweifel einklagt. Was hätte ich auch davon? Die Missgunst aller Kollegen und das blöde Gefühl das ich jeden Tag hätte, wenn ich zur Arbeit ginge. 
Aber es ist schwierig das aus Sicht einer jeden Frau zu beurteilen. Ich bin in einem Männerhaushalt groß geworden und kenne es gar nicht anders, als mich gegen Ignoranz gegen Frauen durchsetzen zu müssen. Aber ich habe es doch sehr oft verflucht, das es so ist. Aber so ist das Leben eben. Man kann sich das Wenigste aussuchen und muss mit vielem klar kommen, ob es einem passt oder nicht. 

Aber es gibt auch den hässlichen Sexismus der mir Kopfzerbrechen bereitet, keine Frage. Kurioser Weise erlebte ich ihn fast ausschließlich im Privaten, von Partnern und Freunden. Da war Beispielweise ein guter Bekannter der sehr zudringlich wurde und dem ich mich schließlich nur entziehen konnte, in dem ich den Kontakt abbrach. Ich erzählte Freunden davon, die uns beide kannten. Sie gaben mir die Schuld daran, ich hätte mich ja auch nicht so aufreizend kleiden dürfen. Und auch in Partnerschaften habe ich viel erlebt, was erniedrigend, demütigend und zerstörend war. Ich sollte die Frau sein, die funktioniert, die ausschließlich für den Partner da zu sein hatte und die kein Recht auf eigene Bedürfnisse hatte. Auch diesen Zuständen konnte ich nur durch Flucht entkommen. Verständnis und Einsicht konnte ich von den Herren nicht erwarten, denn am Ende war ich es ja die sich anstellte und sich aufregte. Im Nachhinein frage ich mich, wie ich in diese Strukturen geraten könnte aber das ist ein anderes Thema. Auf jeden Fall weiß ich was es heißt Alltagssexismus und auch Missbrauch ausgesetzt zu sein und ich erkenne die Unterschiede zwischen Klischee-Dummheit und wirklichem bösartigen Sexismus. Beides ist nicht schön aber nur der wirklich bösartige Seximus ist verurteilungswürdig. Die Klischee-Dummheit sollte man mit einem guten Spruch oder einem müden Lächeln abtun, denn mehr Emotion und Aufwand sollte man dabei nicht verschwenden. Das ist es einfach nicht wert.

Fazit: Nobody is perfect
Als Fazit möchte ich schließen, kein Mensch ist perfekt und auch Frauen sind sexistisch. Sie machen es anders, subtiler aber deswegen ist es nicht besser und Frauen werden dafür auch nicht an den Pranger gestellt und massenwirksam fertig gemacht. Lasst die Kirche im Dorf und unterscheidet zwischen nett gemeint, Dummheit und Bösartigkeit. Wir alle haben die Antennen um das eine vom anderen zu unterscheiden, wir müssen es nur wollen. Hysterie bringt niemandem etwas. Es geht doch darum ernst genommen zu werden, gehört zu werden und darum das sich wirklich etwas ändert. Mit Moralextremismus und Polemik erreicht man nur, dass mehr und mehr Leute das Thema belächeln und als hysterische Emanzen Debatte abtun und das sollte nicht passieren. Es ist gut, dass darüber gesprochen wird, auch dass dieses Thema diesen Hype erlebt denn nur so gelangt es in die Köpfe der Menschen. Aber dann sollte es auch als das hängen bleiben was es ist: Als Debatte um Gleichberechtigung, dass man niemanden einfach benutzen kann wie es einem passt, dass jeder den gleichen Respekt verdient hat und als ganzer und vollwertiger Mensch betrachtet werden sollte, ungeachtet welches Geschlecht er hat oder welche Nationalität, wie er sich kleidet oder aussieht.