Moralfaschismus – ein Definitionsversuch

Moralfaschismus – ein Begriff, der offiziell nicht existiert, der aber dennoch immer wieder Verwendung findet, gerade in sozialen Netzwerken. Für mich bringt dieser Begriff treffend auf den Punkt, was man ansonsten nur mühsam erklären kann. Denn er beschreibt auch ein Zeitgefühl, dass sicherlich nicht jedem innewohnt aber dennoch sehr aktuell ist.

Wenn ich diesen Begriff in meinen Artikeln verwende, die ich auch in einem Magazin veröffentlichen lasse, wird dieser Begriff nicht übernommen, was verständlich ist, da es eben kein offiziell anerkannter Begriff der deutschen Sprache ist. Dennoch hatte ich mich darüber geärgert, da dieser Begriff einfach die Vollumfänglichkeit des Sachverhaltes in einem Wort ausdrückt. Und auch wenn dieser Begriff selbsterklärend erscheint, muss nicht jedem klar sein, was damit gemeint ist. So hab mich drangemacht, den Begriff in seinen Ursprüngen zu erklären und nachzuforschen, ob man diesen Begriff wirklich so verwenden kann.

Im Grunde ist der Begriff ein übersteigertes Synonym für das Wort Moralisierer. Mit der Moralisierung wird die Betrachtung der Moral dargestellt und ein Moralisierer ist laut Duden jemand, der Moral predigt. Moralisierer sind also die Menschen, die die Moral mit Löffeln gefressen haben wollen und die so gewonnene Vorstellung von der einzig korrekten Moral an jeden weitertragen, der es nicht hören will. Es geht also darum zu missionieren und andere von der eigenen Einstellung zu überzeugen.

Die Moralisierer, die in den letzten Jahren verstärkt Aufsehen erregt haben, wenn auch nur implizit, gehen aber noch eine Stufe weiter. Sie erheben ihre persönlichen Interessen zu allgemeingültigen Werten und sind nicht dazu bereit davon wieder abzurücken. Nehmen wir das Beispiel des gendergerechten Schreibens. Obwohl der Rat für Rechtschreibung sowohl das Binnen-I, die Gender Gap und jüngst auch das Gendersternchen ablehnte, hindert es manche Gruppen nicht, dieses sprachliche Mittel trotzdem zu verwenden. Sie sehen in der Verwendung einzig ihre Ideologie der Schaffung von Geschlechtsneutralität, betrachten aber nicht die kritischen Aspekte, die diese Wortform mit sich bringt (Link Genderwahn). Man kann dieses Verhalten als antidemokratisch und herrschsüchtig bezeichnen.

Einige dieser extremen Moralisierer gehen soweit andere Personen, die ihren Überzeugungen nicht folgen, abzulehnen und sogar abzuwerten. Sie gehen dazu über Menschen, die die offiziell anerkannte Schreibweise verwenden zu verurteilen und ihnen Intoleranz und anti soziales Verhalten vorzuwerfen. Sie lehnen also alles ab, was nicht in ihr Weltbild passt, was ein eindeutig herrschsüchtiges Verhalten ist. Personen aber die dieser moralisierenden Gruppe angehören und die selbsternannten Werte teilen, werden über alle anderen gestellt. Ihnen attestieren sie die einzig wahren guten Menschen zu sein. Allerdings müssen sich die Mitglieder dieser Gruppe uneingeschränkt den Werten beugen, die diese aufgestellt hat. Jedes Mitglied muss diesen Werten treu folgen und darf sich nicht mit einer anders gearteten Meinung erheben. Es gilt eine Art Führerkult, auch wenn es keinen ausgesprochenen Führer gibt. Führer ist die Sache selbst.

Fassen wir also zusammen, wir haben

  • antidemokratisches Verhalten

  • Abwertung Andersdenkender

  • Herrschsucht

  • Erhöhung der eigenen Werte und Gruppe

  • Führerkult

All diese Attribute lassen sich auch auf den Faschismus anwenden. Sicher ist für den ausgesprochenen Faschismus auch die Gewaltbereitschaft ausschlaggebend, die sich physisch hier nicht vorfinden lässt. Dennoch sind genügend Attribute nennbar und damit ist die Begrifflichkeit Moralfaschimus durchaus richtig und angebracht. Da das deutsche Sprachsystem auch generell die Möglichkeit für Neologismen offen lässt, wäre gegen eine Einführung des Begriffes nichts einzuwenden. Er ist grammatisch möglich.

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