Der Crohn und ich

Nachdem ich nun 1 Jahr non stop mit diesem verfluchten Morbus Crohn zu tun habe, habe ich beschlossen darüber zu bloggen. Darüber schreiben, um all das greifbarer zu machen. Es nicht verdrängen zu wollen und zu müssen. Die Dinge beim Namen nennen können und einfach los zu werden, was mich immer wieder fertig macht. Denn im Alltag, auf der Arbeit bei Freunden, da will man nicht ständig jammern. Ich will nicht nur dieses eine Thema haben. Ich versuche es so gut wie es geht außen vor zu halten. Sicher rede ich auch darüber und jammere mal aber immer nur dann, wenn ich schon echt am Anschlag angekommen bin. Wenn ich gar nicht mehr anders kann, als ständig in Tränen auszubrechen. Und dann schäme ich mich dafür. Soo sehr. Dass ich geheult habe, mich nicht mehr zusammen reissen konnte. Weil ich es hasse andere Leute mit meinen Leiden belasten muss. Das ist verrückt ich weiß, Freunde sind ja auch dafür da einem beizustehen. Aber obwohl ich das weiß, mache ich es äußerst ungern.

Warum das so ist? Tja gute Frage, sicher so ein Kindheits- Familiending, man kann eben nicht raus aus seiner Haut. Aber darum geht es jetzt auch gar nicht. Ich suche einfach einen Weg meinen Gedanken Ausdruck zu verleihen und das möchte ich jetzt hier versuchen.

Ich weiß, mein Krankheitsverlauf ist sicherlich keiner von den ganz schlimmen. Aber diese Krankheit beeinflusst mich tagtäglich.

Nun mal zu den Fakten:

Ich bin 34 und leide seit ich 19 bin unter Morbus Crohn. Für alle die das nicht kennen, dass ist eine „Autoimmunerkrankung“ (ich setze das in Anführungszeichen, da die Forschung sich hier noch nicht ganz einig ist. Man nennt es Autoimmunkrankheit, da sie auf Immunsuppressiva anspricht aber nach neuesten Erkenntnissen vermutet man, dass der Körper sich hier nicht selbst angreift, was normalerweise ausschlaggebend für eine Autoimmunkrankheit ist. Momentan nimmt man an, dass es sich um eine Barrierestörung der Darmwand handelt. Für alle die es interessiert hier ein LINK.

Aber wirklich sicher ist man sich nicht. Kurz man weiß einfach nicht genau, warum Menschen Morbus Crohn bekommen. Sicher ist, dass es diese Krankheit nur in westlichen Zivilisationen vorkommt.). 10 Jahre habe ich mich nicht wirklich mit der Krankheit beschäftigt. Weil es immer auch so ging. Aber dieses verfluchte Cushing Syndrom mit dem aufgequollenen Gesicht und der restlichen Gewichtszunahme bäääääh, das hab ich gemieden wie die Katze das Wasser. Ich musste mich aber auch nicht darum kümmern, denn wenn es mir nicht gut ging, bin ich einfach im Bett geblieben. Während der Uni war das auch kein Problem. Erst als ich vor 5 Jahren ins Berufsleben einstieg, gingen die richtigen Probleme los. Ständig müde und kaputt, immer wieder bestialische Schmerzen von den Koliken und dann immer dieses „Du darfst nicht krank sein“! Denn ich musste ja arbeiten und krank schreiben war nicht erwünscht.

Mittlerweile bin ich zwar in einer Firma, die das nicht so eng sieht aber krank schreiben ist für mich immer noch gleichbedeutend mit Versagen. Also auch wenn ich krankgeschrieben bin, fühle ich mich schrecklich elend, weil ich das Gefühl habe gerade zu versagen. Wie das dann mit der Erholung ist kann man sich überlegen.

Aber in diesem Jahr war es richtig schlimm. Von Anfang an. Also ging das Programm los; Kortison Therapie die mal so rein gar nichts brachte, dann neue Therapie mit Azathioprin, davon hab ich ´ne Bauchspeicheldrüsenentzündung bekommen. Mein Gastro wollte mir dann Spritzen geben, jede Woche aber ich hatte die Nase voll. Ich wollte nur noch die OP. Also nahmen sie mir im Mai 20 cm Darm raus.

Nach einer OP hat man 1 Jahr Ruhe mit dem Crohn heißt es, aber dem war nicht so. Ich kämpfte nach wie vor mit Beschwerden und im November waren dann alle Symptome wieder da. Aber ich habe keine Lust mehr auf diesen Ärztemarathon und all die Medikamente. Diesmal will ich mein eigener Herr bleiben.

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