Genderwahn – Warum das Gendersternchen Quatsch ist

Stellen Sie sich vor, Sie hören das Lied von Rolf Zuckowksi „Wie schön, dass Du geboren bist“ aber mit folgendem Text:

„Alle Deine Freunde, Freundinnen und Kinder mit intersexuellem Hintergrund freuen sich mit Dir,

Alle Deine Freunde, Freundinnen und Kinder mit intersexuellem Hintergrund freuen sich mit Dir.“

So oder so ähnlich könnte sich der bekannte Vers anhören, wenn der sprachliche Genderwahn weiter fortschreitet. Oder das Lied wird gar nicht mehr gesungen, oder ausgetauscht, gegen ein gendergerechtes Kinderlied. Rolf Zuckowksi hält es für möglich, dass seine Lieder bald nicht mehr in öffentlichen Einrichtungen gesungen werden dürfen, da seine Texte nicht gegendert sind. Er argumentiert, dass die Kinder die das Lied singen vielleicht bald gar nicht mehr verstehen, dass mit Freund gleichzeitig auch Freundin gemeint ist und sich die Mädchen damit ausgeschlossen fühlen.

Noch ist offiziell nichts passiert aber der Stein des Anstoßes wurde bereits ins Rollen gebracht.

Unlängst hat der Rat für Rechtschreibung getagt, um über das Gendersternchen abzustimmen. Das Gendersternchen ist ein Satzzeichen, dass zwischen die maskuline und die feminine Schreibweise eines Wortes gefügt wird und dort als Platzhalter fungiert. Es würde dann beispielsweise nicht mehr Lehrer-/innen heißen sondern Lehrer*innen. Damit soll die Geschlechterneutralität des Begriffes deutlich gemacht werden, außerdem sollen damit interesexuelle Menschen angesprochen und mit einbezogen werden. Ausgelöst wurde die Diskussion durch eine Anfrage der Landesstelle für Gleichbehandlung in Berlin. Die wollten wissen, wie man „angemessen über Personen jenseits der beiden klassischen Geschlechter Mann und Frau schreiben kann.“ Als orthografische Möglichkeit kam nun das Gendersternchen auf den Tisch, dass die Vielfältigkeit der Geschlechter bedenken und somit die Gleichbehandlung jedes Geschlechts unterstützen soll. Damit folgt die Debatte dem Wahn sprachliche Gerechtigkeit würde zu real gelebter Gerechtigkeit führen.

Auch wenn das Gendersternchen vorerst nicht in den Duden aufgenommen wird, hat es dennoch bereits Einzug in das Leben genommen. Manche Studenten bringen das Gendersternchen sogar sprachlich zum Ausdruck, indem sie zwischen den Wortteilen eine Pause machen. Also beispielsweise: „Lehrer (Pause) Lehrerinnen“ und auch einige Politiker benutzen das Sternchen bereits in ihren Zeitungsbeiträgen und wollen damit ihre angebliche Weltoffenheit und Toleranz demonstrieren. Sie etablieren so ein nicht anerkanntes sprachliches Mittel, was zur Folge hat, dass die Gesellschaft denkt, es wäre richtig und wichtig das Gendersternchen zu nutzen. Die Tatsache, dass der Duden es ablehnt und die Gründe, die dieser dafür anführt, wird für die Befürworter keine Gewichtung mehr haben. Jeder Gegner wird von nun an in die Ecke der Intoleranz gestellt und somit nihiliert. Denn „Weltoffenheit“ ist mittlerweile gleichbedeutend mit der Bejahung und der uneingeschränkten Anerkennung jeder noch so kleinen Befindlichkeit einer Randgruppe.

Wenn man sprachlichen Mitteln aber die Macht gibt in einem Satz so zu tun, als würde man sich wirklich um die Belange von Unterdrückten bemühen, wieso sollte sich dann noch jemand in anderer Weise darum kümmern? Sich mit Toleranz schmücken ist angesagt wie selten zuvor aber diese auch zu leben, verkommt daneben zu einer blassen Randfigur, der niemand Bedeutung beimisst. Mit Dingen wie dem Gendersternchen erhält die Welt ein Mittel, dass Verständnis und Akzeptanz stärken soll, allerdings in den meisten Fällen nur dazu beiträgt, dass sich Diskussionen darüber auflösen, da man ja ein Wort dafür gefunden hat, mit dem man so tun kann, als hätte man sich gekümmert.

Die eigentlichen Probleme von Transgendern werden damit nicht oder kaum gelöst. Auch wenn man weiß, dass Sprache auch das Denken bestimmt, ergibt sich durch das Gendersternchen und das schriftliche Chaos was daraus resultiert, erst einmal eine Sonderstellung für die Betroffenen. Und Sonderstellungen haben meist eines zur Folge: Ausgrenzung und Diffarmierung. Dass das den Betroffenen eher schadet als nutzt liegt auf der Hand. Aber was wünschen sich Transgender eigentlich? Liest man sich beispielsweise durch die Beiträge der Transgender Germany – TGG in Facebook erhält man den Eindruck, dass es zu aller erst um Akzeptanz und Toleranz Transgendern gegenüber geht. Ein Leben führen, wie jeder andere Cisgender (also Menschen deren physische und psychische Geschlechteridentität übereinstimmt) auch. Ein selbstbestimmtes Leben ohne Einschränkungen, Anfeindungen und Beeinflussungen, die sie in eine festgelegte Geschlechterrolle hineinpressen will. 

Die Zeitschrift Emma hat Raewyn Connel interviewt. Raewyn ist eine australische Soziologin, die 60 Jahre als Mann lebte, bevor sie sich für eine Transition entschied. Sie wünscht sich, nicht als drittes Geschlecht klassifiziert zu werden. „Ich glaube, dass es eine wichtige Herausforderung für Feministinnen ist, transsexuelle Frauen nicht als eine Art drittes Geschlecht zu denken. Sondern als Teil der Vielfalt von Frauen, wie junge oder alte Frauen, Frauen mit Behinderung oder Frauen mit Migrationshintergrund.“ 

Mit der Einführung des Gendersternchens würde dieses dritte Geschlecht rein sprachlich sofort entstehen. Man würde einen Zustand für Transgender schaffen, der sie wieder in eine bestimmte Rolle presst. Ob das für alle wünschenswert ist, bleibt fraglich.

Dazu soll noch ein sprachliches System geändert werden, was überhaupt keiner Änderung bedarf! Das Genus-System der deutschen Sprache ist formal und richtet sich nicht generell nach dem biologischen Geschlecht. Ein gutes Beispiel dafür ist das Wort „Mädchen“, welches den Genus im Neutrum hat, obwohl ein Mädchen biologisch eindeutig weiblich ist. Wie dieses System im Laufe der Zeit entstanden ist, also wie welches Nomen seinen Genus bekommen hat, lässt sich heute nicht mehr einwandfrei nachvollziehen. Sicherlich haben auch die zur entsprechenden Zeit herrschenden Machtstrukturen zur Zuweisung der Geni geführt, wie es die Linguistin Luise Pusch anführt, aber warum man dieses System deswegen gänzlich in Frage stellen muss erschließt sich mir nicht. Was außer völligem Chaos erreicht man dadurch? Denn der Wunsch, mit dieser neuen Schreibweise mehr Gerechtigkeit und Sicherheit in diese Welt zu bringen ist ein Trugschluss. Zu oft wird versucht, die Misogynie des Altertums einfach auszulöschen, als hätte diese Zeit nie stattgefunden. Also darf auch in der Sprache nichts mehr daran erinnern, dass es einmal eine Zeit gab, in der Frauen in diesem Land unterdrückt wurden. Eine tatsächliche Änderung der Zustände erreicht man dadurch nicht. Im Gegenteil. Das Thema Gender wird von der breiten Masse nicht ernst genommen und kommt eher daher wie ein Emanzen-Kreuzzug, der all die dummen Unwissenden mit ihrer schier unermesslichen Weisheit belehren und bekehren will.

Die Vergangenheit lässt sich aber nicht ausslöschen, sie ist wie sie ist. Alles was man tun, kann um einen guten Umgang mit ihr zu finden, ist sie zu akzeptieren und den nachfolgenden Generationen zu erklären, warum war was war und warum es gut ist, dass es heute nicht mehr so ist. Mit Verboten und Zensuren erreicht man hauptsächlich, dass sich die Menschen dagegen auflehnen. Um Akzeptanz zu erreichen, muss man einen anderen Weg beschreiten.

#notheidisgirls – warum GNTM sexistisch ist

Warum GNTM sexistisch ist
#notheidisgirls

Wir schreiben das Jahr 2018, #metoo und damit auch die negative Objektivierung der Frau, die in aller Munde ist. Gedichte, die bewundern werden wegen Sexismus Vorwurf entfernt und auch klassische Kunstwerke sollen aus Museen verbannt werden, da zu viel nackte Haut oder anrüchige Szenen gezeigt werden. Man kann sagen, dass extreme Zustände herrschen, die auch nicht davor halt machen, die Freiheit der Kunst in Frage zu stellen. Hauptsache man erreicht eine sexistisch einwandfreie Umwelt.

Aber es gibt auch TV-Formate, deren Beliebtheit keinerlei Abbruch erleben, obwohl sie vor Sexismus nur so triefen. Hier möchte ich mich aber einer bestimmten Sendung widmen. Denn ich verstehe nicht, warum dieser Sendung, unter den momentanen Zuständen nicht gleich der Saft abgedreht wird, obwohl sie junge Mädchen behandelt wie ein Stück Fleisch. Die Kritik an dieser Sendung wird zwar mit #notheidisgirls lauter aber bisher niemals so laut, dass es wirklich bis zur breiten Masse durchgedrungen wäre. Weder haben namhaften Magazine auch in ihren Printausgaben darüber berichten, noch hat eine Bombendrohnung im Finale dazu führt, dass der Aufschrei  um diese Sendung wirklich laut wurde.

Vielleicht liegt es daran, dass diese Sendung von einer Frau geführt wird. Diese Frau allerdings ist ein Beispiel für weibliches paternalistisches Verhalten. Sie besteht ausschließlich aus übersteigertem Selbstbewusstsein, Selbstverliebtheit, Business- und Machthunger und somit zeigt sie die gleichen Charakterzüge wie Harvey Weinstein, Donald Trump und Co. Auch bei ihr kann man psychopathische Züge vermuten, denn Mitgefühl scheint diese Frau ebenso wenig zu kennen wie besagte Herren. Nur das, was Erfolg verspricht wird gefördert. Alles andere, egal wie groß das menschliche Schicksal dahinter ist, zählt nicht. Schlimmer noch, was nicht in ihr Weltbild passt, wird bloßgestellt, verspottet und “ausgelacht”. Dabei helfen ihr 2 Juroren, deren bornierte Blödheit und kindischen Affekte das Ganze als schlechten Slapstick ins Bodenlose stilisieren.

Die Rede ist von Heidi Klum und dem Format Germanys next Topmodell. Eine Sendung, die sehr junge Frauen dazu zwingt eine Puppe zu sein, ohne Willen, ohne Bedürfnisse und ohne Respekt vor sich und den eigenen Grenzen. Nun kann man sagen, die Mädels entscheiden sich selbst dazu bei diesem Format mitzumachen. Was ist gegen den Traum Model zu werden einzuwenden? Wenn jemand Spaß daran hat als lebende Anziehpuppe zu arbeiten, dann soll er das auch tun können!

Aber diese Sendung produziert keine Models. Die Maschinerie um Heidi Klum und die Model Agentur OneEins, die von Günther Klum geführt wird, will ihre Models gar nicht auf den Laufstegen sehen. Vielmehr sollen sie an jeglicher Art Werbeveranstaltung teilnehmen, wie Einweihungen von Einkaufszentren oder ähnlichem. Und diese dienen wiederum nur dem Image von GNTM und Heidi Klum. Die Mädels sind die Aushängeschilder der Show und sollen selbige im Gespräch halten. Ähnliche Mechanismen findet man auch bei Sendungen wie DSDS, The Voice oder ähnlichen Shows. Keinem dieser Formate geht es wirklich darum Künstler oder echte Models hervorzubringen. Die Sieger dürfen einige Zeit im Namen der Shows durch diverse Städte tingeln oder an Marketing Produktionen teilnehmen. Sie sind quasi die Vertriebsleute der Shows, die dem kleinen Mann das Gefühl geben, dass er Teil nehmen kann an dieser Show, mit dabei sein kann.

Die Erwartungen, die die jungen Menschen an diese Show haben werden nicht erfüllt und hatten auch nie vor sie zu erfüllen. Von diesem Standpunkt aus betrachtet, wissen die Teilnehmer eben oft nicht worauf sie sich einlassen.

Die Macher hingegen erwarten und verlangen Höchstleistungen von den Teilnehmern. Wer diese nicht erfüllt fliegt. Und in keinem Format ist der Erwartungsdruck höher und gnadenloser als bei GNTM.

So erwartet Heidi von ihren “Mädchen” ein so großes “Selbstbewusstsein”, dass sie sich bereits am 2. Drehtag der neuen Staffel nackt am Strand ausziehen müssen. Das Ganze soll ohne Hemmungen und ohne Scheu geschehen, damit die Mädels sich dann vor allen anderen sexy und lasziv wie Lolita im Sand räkeln. Aber bitte nicht zu sexy! Sonst sieht es nach Playboy aus und das ist so gar nicht on vogue und geht in den Augen der Juroren dann doch zu weit. So jedenfalls äußern sich Heidi und ihre beiden Lakaien Thomas Haio und Michael Michalsky. Ein Mädel, dass ihnen zu sehr nach Playboy aussieht, wird in der Entscheidungsrunde für diesen Sachverhalt abgestraft, in dem man ihr mitteilt, als wirkliches Model könnte sie nie arbeiten. Vielleicht für Sportmode. Dass die selbsternannte Übermutter der Models, Heidi, selbst ihre größten Erfolge als Sportmodel einheimste und die großen Laufstege der Pretaporte nie gesehen hat, interessiert nicht. Sie ist schließlich das Gesetz in dieser Schmierenkomödie.

Klum, die rappeldürre wannabe MILF, die in jeder Situation ihre Erhabenheit ausnutzt, dabei mit geheuchelter Mütterlichkeit versucht den jungen Frauen den letzten Funken ihres Selbstrespekts zu nehmen, ist der Inbegriff des weiblichen Sexismus und der Menschenverachtung. Eine Frau, die Äußerlichkeiten zum heiligen Gral erhebt und die nicht dazu in der Lage zu sein scheint, irgendetwas anderes wahrnehmen zu können, ist das Idol und Vorzeigemodel einer Nation.

Diese Verlogenheit dieser Show, die in jedem zweiten Schnitt erkennbar wird, die mit den Emotionen und Gefühlen dieser jungen Dinger spielt, wie die Katze mit der sterbenden Maus, scheint auch die Anziehungskraft dieses Formates auszumachen. Extreme prallen aufeinander. In einer wunderschönen Kulisse, kämpfen optisch perfekte kleine Mädchen um den zweifelhaften Ruhm, das beste TV Model Deutschlands zu werden. Dabei sind viele bereit mehr zu geben, als sie jemals bereit waren zu tun.

In diesem Alter, zwischen 16 bis Mitte 20 fällt es vielen leicht ihre Grenzen zu überschreiten. Vor allem wenn sie damit ihren infantilen Traum einer Modelkarriere wahr machen können. Dass sie dabei auch ihre Würde opfern ist Ihnen erst mal egal. Denn sie erlangen den Ruhm den sie wollten, werden bewundert von tausenden Girlies, die diesen Traum teilen. Die auch anfangen von so einem schlanken (klapperdürren) Körper zu träumen und bereit sind, viel dafür zu tun. Wie viele junge Dinger sich für diesen Traum in Bulimie oder Magersucht gestürzt haben? Obwohl man sagen muss, dass es mittlerweile auch einige normal proportionierte  oder Plus Size Mädels gibt. Das soll dazu dienen, einen toleranten und weltoffenen Ruf zu ernten, damit sich die Macher selbstgefällig auf die Schulter klopfen können. Es ist aber einfach nur kalte Berechnung und hat mit wirklicher Toleranz Andersheit gegenüber soviel zu tun wie eine Seegurke mit Ballett.

Das von Klum geforderte Selbstbewusstsein, ist eher vergleichbar mit dem Verhalten eines Boderliners, der seine Grenzen regelmäßig soweit überschreitet, dass er sich selbst zerstört. Promiskuitives Verhalten, dass gar keine eigenen Grenzen und somit auch kein Problem mit deren Überschreitung kennt, wird gefördert und belohnt. Mädels, die ein vollkommen normales Bewusstsein zu sich selbst und auch zu ihren Grenzen haben, werden verachtet und runtergemacht. Nur wer regelmäßig seine eigenen Grenzen überschreitet und bereit dazu ist die Hilferufe seiner Physis und Psyche zu ignorieren erhält Anerkennung. 

Um ein Beispiel zu nennen: Ich weiß nicht mehr welche Staffel das war, jedenfalls mussten die Mädels in der Vorhalle eines alten Schlosses Dessous präsentieren. In dieser Halle herrschten eisige Temperaturen. Ein Mädel das schon den Tag zuvor von einem Arzt krankgeschrieben wurde, wegen einer Lungenentzündung, hustete sich die Seele aus dem Leib, wollte dieses Shooting aber unbedingt machen. Also erzählte sie ihren Model-Vormündern nichts davon. Thomas Hayo hörte sie allerdings husten und fragte, ob alles in Ordnung sei. Soweit so menschlich. Das Mädel antwortete, dass der Arzt ihr eine Lungenentzündung attestiert habe, sie dieses Shooting aber unbedingt machen wolle. Da antwortete dieser Kerl doch wirklich: “Ok, aber wenn es schlimmer wird, hörst du auf.”

Schlimmer? Soll sie dazu tot umfallen? Ich weiß noch wie ich mich über diese Szene aufgeregt habe und darüber, dass sowas auch noch ausgestrahlt wird. Was soll das den Zuschauern suggerieren? Wie unfähig und unmenschlich dieser Mensch ist oder wie wenig Verständnis man für Krankheiten haben sollte?

Was diese Sendung eindrucksvoll klarmacht, sind die Zustände, die im Modebusiness vorherrschen müssen. Denn Klum ist nur die Schaufensterpuppe einer Industrie, die genau das ist; sexistisch und menschenverachtend. Die Modebranche erschafft auch in einer aufgeklärten Zeit wie heute nur ein einziges weibliches Bild; das der ewig lustvollen und willigen Frau mit perfekter Optik, die aber außer ihrem oberflächlichen Äußeren nicht viel zu bieten hat. 

Musste sich jede andere Branche bereits dem Aufruf zur Gleichberechtigung beugen, so bleibt die Modebranche davon unberührt und erfährt keinerlei Einbußen durch Debatten wie #metoo. Sie ist sogar noch unendlich stolz auf ihre herzlose Ausprägung und erhebt sich dafür selbst in den Olymp der Götter. 

Diese Zustände sind bekannt und werden alle paar Jahre mal wieder hinter dem Ofen hervorgekramt, wenn ein Mädchen an ihrer Magersucht oder einem anderem Raubbau an ihrem Körper gestorben ist. Die Pluse Size Models, die mittlerweile über den Laufsteg geprügelt werden, sollen zeigen wie offen diese Branche nun geworden ist. Aber Sendungen wie GNTM oder auch das nachahmende Format Curvey Super Models  zeigen, wie wenig sich wirklich geändert hat. Denn es geht nicht nur um dick oder dünn, es geht vor allem darum, wie wenig sich diese Branche um den Menschen schert, nämlich überhaupt nicht.

Was mich bei all dem besonders wütend macht, ist dass in der heutigen Zeit, in der all das um #metoo geschieht, eine Sendung wie GNTM davon völlig unberührt bleibt. Wie kann das sein? Geht es bei #metoo nicht gerade um frauenverachtende bzw. menschenverachtende Zustände? Wie Frauen zu Objekten gemacht werden und andere diese Objektstellung ausnutzen? Genau das geschieht fast in jeder Minute bei GNTM, wo bleibt der große Aufschrei um diese Zustände? Nur weil eine Heidi Klum nicht grabscht und eine Frau ist, kann sie nicht menschenverachtend und sexistisch sein? Kann sie ihre Machtstellung nicht ausnutzen und junge Dinger zu etwas zwingen, das jedem guten Anstand widerspricht? Wo bleiben die empörten Eltern, die dieses Format mit ihren Protesten in die Knie zwingen?

Die Empörungskultur macht vor nichts halt aber bei dieser Sendung scheinen alle auf Stand-by zu schalten und geflissentlich zu übersehen, wie sehr diese Sendung die Emanzipation der Frau mit Füßen tritt. Das eine Frau eben keine Anziehpuppe ist, ohne Willen oder Gefühle, Grenzen oder Bedürfnisse.

Wie kann es sein das herausragende Kunstwerke wegen #metoo eliminiert werden, aber aktuelles Zeitgeschehen davon unberührt bleibt? Wieso werden Männer, die angeblich ihre Machtposition vor vielen Jahren ausnutzten, wie Dieter Wedel, regelrecht gejagt, eine Heidi Klum wird dafür aber quasi gefeiert wird? Ist die #metoo Debatte wirklich so kurzsichtig? Ich denke man kann diese Frage ganz klar mit „Ja“ beantworten, denn es ist viel einfacher den offensichtlichsten Sündenbock zum Schafott zu tragen, anstatt ein kleines Stück weiterzuschauen und wirkliche Missstände aufzudecken und zu ändern.

Ein weiteres Mal schaue ich enttäuscht auf eine Debatte, die so viel Gutes bewirken könnte aber der es doch eigentlich nur darum geht, eine Hexenjagd auf leichte Beute zu machen und diese dann möglichst medienwirksam zu Grunde zu richten.

Feminismus als Lehre vom Opfer?

Frauen sollten keine Opfer sein, vor allem sollten sie nicht durch eine Debatte zu Opfern gemacht werden! Aber das Frauen im Allgemeinen für sich selbst sprechen können, scheint keine Relevanz mehr zu haben, betrachtet man die derzeitigen Geschehnisse. Die #metoo Bewegung erschuf ein überempfindliches Umfeld, in dem sogar die Bewunderung an eine Frau mit dem Sexismus Stempel versehen wird. Und dieser Stempel ist vergleichbar mit dem zwangsvollsteckerischen Kuckuck, denn ist er einmal aufgebracht ist die Pfändung bzw. Eliminierung nicht mehr weit.

Jüngst geschehen mit einem Gedicht an der Fassade einer Berliner Hochschule. An der Fassade der Alice Salomon Hochschule in Berlin steht seit 2011 das Gedicht des Lyrikers und Gewinners des Alice Salomon Poetik Preises Eugen Gomringer. Das Gedicht “avenidas” lautet in deutscher Übersetzung wie folgt:

„Alleen / Alleen und Blumen / Blumen / Blumen und Frauen / Alleen / Alleen und Frauen / Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer“

Dieses Gedicht soll nun entfernt werden. Der Studierendenrat sieht darin eine Provokation durch klassisch patriarchale Klischees, in welcher ein männlicher Künstler von einer Frau zu Kunst inspiriert wird. 

Alleine dieser Sachverhalt macht mich ziemlich sprachlos. Was daran ist sexistisch? Ist es die Inspiration? Ist es die Bewunderung? Vermutet werden kann viel, dass die Hochschule diesem Antrag aber wirklich statt gibt, lässt mich schier verzweifeln.

Wie nur kann eine Hochschule einen kruden Gedanken und den Hype um Sexismus einem Grundrecht vorziehen? Den was hier geschieht ist eine klare Einschränkung der Kunst und somit ein Verstoß gegen das Grundrecht der Kunstfreiheit Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes.

Wie nur kann es dazu kommen? Die Ursache hierin mag in dem überpolitischen Ansinnen liegen nur ja niemanden zu verletzen, der es vermeintlich schwer genug hat. Das sind momentan die Frauen, welche durch die #metoo Debatte als Generalopfer dargestellt werden. Jede Frau hat bereits ein #metoo erlebt und muss mit allen Mitteln vor möglichen weiteren #metoos bewahrt werden. Wenn es sein muss auch mit Zensur und Einschränkung der Freiheit.

Ob nun wirklich alle Frauen derart beschützt werden wollen, diese Frage ist an mir vorbei gegangen. Aber darum scheint es auch nicht zu gehen. Es geht zunehmend um Macht. Die #metoo Sympathisanten suchen mit allen Mitteln nach männlichem Machtmissbrauch und werden selbst mehr und mehr zum Machtmissbrauchenden. Denn mit der Offenlegung ist es längst nicht mehr getan. Es geht um mediale Hetze und um Ausmerzung von allem, was auch nur im Entferntesten einen Hauch Sexismus an sich trägt. Man bekommt eine Ahnung davon, was die Leute im Mittelalter an der Hexenverfolgung fanden, nämlich den Spaß daran einer guten Sache zu dienen und seine Wut an den Schuldigen auszulassen, bis man sie vernichtet hatte. Die dramatischen Folgen so einer Hexenjagd verlieren sich in der Euphorie der Hatz.

Das die #metoo Debatte dabei gänzlich aus dem Ruder gelaufen ist und ihrem eigentlichen Ansinnen nur noch schadet, dürfte klar sein. Vor allem schadet sie dem Ansehen des Feminismus, der in den letzten Jahrzehnten bereits Schaden genommen hat. Nun dürfte der Ruf gänzlich dahin sein. Denn der heutige Feminismus, ich möchte ihn Neo-Feminismus nennen, sieht in den Frauen nur eines: Opfer. Ein Opfer ist nicht in der Lage sich selbst zu schützen und muss folglich beschützt werden. Somit sind es auch nicht die eigentlich Betroffenen, die den größten Wirbel machen, sondern es sind die selbsternannten Beschützer, man könnte sie auch Helikopter-Beschützer nenne, die sich aufspielen und alles kurz und klein machen, was ihren Schützlingen eventuell schaden könnten. Und eben dieser Umstand macht die ganze Sache so bodenlos.

Liebe Neo-Feministen, bitte hört auf in allen Frauen Opfer zu sehen. Eure gedanklichen Großmütter würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie sehen würden was ihr aus ihrem Erbe macht. Durch Euch verkommt der Feminismus mehr und mehr zum Schreckgespenst der Neuzeit. Das, was Frauen zu so viel verholfen hat, verkommt zu einem schlechten Spuk, der allen Angst machen soll und dabei Zorn und Hass schürt.

Der ursprüngliche Gedanke von Feminismus ist eine Theorie der Freiheit und nicht der Einschränkung! Er hat Frauen einst dazu verholfen keine Opfer mehr zu sein und nun erklärt er sie zu genau dem: zu Opfern. Das darf nicht sein und vor allem darf es nicht so bleiben!

Feminismus darf nicht die Lehre vom Opfer werden! Feminismus sollte für ein gleichberechtigtes Miteinander stehen oder wie Johanna Dohnal es ausdrückte

„Die Vision des Feminismus ist nicht eine ‚weibliche Zukunft‘. Es ist eine menschliche Zukunft. Ohne Rollenzwänge, ohne Macht- und Gewaltverhältnisse, ohne Männerbündelei und Weiblichkeitswahn.“

Weiblicher Sexismus

Sexismus ist männlich! Oder? Verfolgt man die momentane Debatte über den Hollywoodproduzenten Harvey Weinstein, bekommt man diesen Eindruck. Ein wütender, keifender Mob zieht durch die virtuellen Straßen und zerrt die sexistischen Altlasten hervor, um sie im Tageslicht zu präsentieren und sie medienwirksam zu zerfleischen. Aber das dürfen wohlgemerkt nur Frauen. Jedenfalls behaupten das einige von ihnen und so mancher Mann hebt zaghaft den Finger, um vielleicht doch ein Wort dazu zu sagen. Und das ist gut so. Diese Zaghaftigkeit wäre nicht nötig, denn diese Debatte betrifft alle, Männer wie Frauen. Das Argument vieler Frauen, Männer könnten ja gar nicht nachempfinden, wie es ist, sexuell belästigt zu werden, ist Blödsinn. Dürften jeweils nur die Betroffenen über ein gesellschaftliches Problem reden, käme es nie zu einer umfassenden Debatte, geschweige denn zu einem Konsens oder einer Lösung. Hinter dieser Forderung steckt, was die Äußernden so vehement verhindern wollen: Sexismus! Hier ist es allerdings weiblicher Sexismus, der Männern aufgrund ihres Geschlechtes verbieten will, eine Meinung zu diesem Thema haben zu dürfen oder sich an der Diskussion zu beteiligen. Aber das wird gar zu gerne übersehen, denn es gehe ja um Jahrtausende lange Unterdrückung, da sei Moralextremismus erlaubt. Und manche Frau bemerkt gar nicht, dass ihr die Borniertheit und Verbohrtheit, die sie den Männern vorwirft, selbst anhaften.

Sexismusdebatten beflügeln alle feministischen Unrechtsbekämpferinnen bei der Forderung, dass Jahrtausende währende Misogynie innerhalb weniger Wochen komplett ausgemerzt werden soll, inklusive einer Generalentschuldigung, die alle Männer leisten sollten. Männer sind die Täter und alle Teil des Problems und müssen sich ändern, damit endlich Gerechtigkeit herrschen kann. Aber kann man es sich wirklich so einfach machen? Sexismus im Sinne von Diskriminierung und Unterdrückung findet täglich statt. Und zwar gegen Männer und gegen Frauen. Die Beispiele der Frauenunterdrückung sind hinreichend bekannt, die Diskriminierung gegen Männer befindet sich in einer Grauzone. Sicher hat der Sexismus gegen Männer nicht die Methode wie jener gegen Frauen, dennoch ist er für die Betroffenen nicht weniger quälend.

Beispiele für weiblichen Sexismus
Es fängt bei der Behandlung von Jungen in der Grundschule an. Jungs sind in diesem Alter häufig schwieriger als Mädchen, daher erhalten Mädchen den Vorzug. „Beim Übergang auf das Gymnasium müssen Jungen eine deutlich höhere Leistung erbringen. Der Weg in die Berufsausbildung ist für Jungen erschwert“, kritisierte Universitätspräsident Dieter Lenzen (damals FU Berlin) schon vor Jahren. „Von allen Schulabgängern ohne Abschluss sind 62 Prozent Jungen.“ Die Ursachen dafür liegen nach Untersuchungen des Bundesbildungsministeriums auch in einer Vorherrschaft von weiblichen Lehrkräften. Jungen würden von ihnen häufig schlechter bewertet und behandelt.
Warum gerade in Kindergarten und Grundschule häufig Frauen arbeiten, liegt auf der Hand. Zum einen, weil sie traditionell die Erziehung der Kinder übernehmen, und zum anderen, weil männlichen Erziehern der Pauschalverdacht des sexuellen Missbrauchs an Kindern anhaftet. Manche Eltern haben schon ein Problem damit, dass ein Erzieher ihr Kind auf den Schoß nimmt. Was diese Eltern davon halten, wenn ein Erzieher ihr Kind wickelt, dürfte klar sein. Der Erzieher-Beruf ist sicher per se kein Berufsschlager für Männer, aber die wenigen, die sich dazu berufen fühlen, lassen sich sicherlich auch durch diesen Generalverdacht abschrecken.
Dabei sind Männer in einer Kita existenziell wichtig, gerade für die Beaufsichtigung der Jungen. Sich keilende Jungs lassen sich von einem Mann mit einem Wort auseinander bringen. Eine Frau schafft das oft nur mit Mühe. Diese Erfahrung habe ich in meinem Freiwilligen Sozialen Jahr im Kinderhort selbst machen dürfen und bekam sie auch von meinen Kolleginnen und Kollegen bestätigt.
Auch im Streit um das Sorgerecht für ein gemeinsames Kind haben Männer das Nachsehen. Männer erhalten vor Gericht nur in jedem siebten bis achten Fall den Zuspruch, Frauen in jedem Zweiten. Generell hat der Mann in zerbrochenen Beziehung gerne das Nachsehen. Eine Vielzahl von Männern verlieren nach einer Trennung nicht nur ihre Frau, sondern auch Haus und Kinder – und erhalten im Gegenzug die Pflicht zur Unterhaltszahlung. Ich kenne solche Geschichten aus dem Freundeskreis zur Genüge. Auch die Geschichten, in denen Männer jahrelang nichts von der Existenz ihres Kindes wissen und dann aufgefordert werden Unterhaltszahlungen zu leisten. In puncto Familie liegt die Vorteilsstellung, auch gesetzlich, bei der Frau und viele Männer leiden stark darunter. Den Aufschrei darüber vermisst man allerdings. Ob es an fehlender Aufschrei-Neigung der Männer liegt oder am mangelnden Interesse der Medien, man weiß es nicht. Fakt ist, dass auch Frauen Männer unterdrücken.

Fazit: Gleichberechtigung für Mann und Frau
Aber warum das alles? Warum grabe ich die Ungerechtigkeiten der Frauen aus, wo es doch darum gehen soll, Männern ihren Sexismus klar zu machen? Ist es nicht gut, dass Frauen endlich Gehör bekommen, und berichten können, was ihnen tagtäglich angetan wird? Ja und nein. Denn aller Aufschrei bringt nichts, wenn danach nur alles schlimmer wird. Denn was momentan erzeugt wird, sind Unsicherheit und Unmut. Viele können die Sexismusdebatte nicht mehr ernst nehmen und verbinden damit nur noch keifende Frauen, die Männer in ihrem bisherigen Leben und Handeln einschränken wollen. Und darum darf es nicht gehen! Bei der Emanzipation sollte es um Gleichberechtigung und zwar beider Geschlechter gehen, in der niemand eine Sonderstellung einnimmt. Diese Sonderstellung der Frau wird durch die einseitige Diskussionsführung, die momentan vorherrscht, allerdings erreicht.
Natürlich ist es richtig, Alltagssexismus, Diskriminierung und Unterdrückung von Frauen zu thematisieren, damit diese Zustände verbessert werden können. Aber das erlangt man nicht, indem man nur dem Mann pauschal die Schuld an allem gibt. Die weibliche Opferrolle, die einige Frauen für wünschenswert halten, mag zwar eine einfache Rolle sein, die einem das Mitgefühl anderer sichert, die einem die Schuldfrage abnimmt und in welcher man sich die Selbstreflexion sparen kann. Aber wie lange kann man sich vor der Verantwortung drücken und sich darauf beschränken andere für die Probleme verantwortlich zu machen?
Wer ernst genommen werden will, muss über die Selbstbemitleidung hinaus wachsen und dazu bereit sein sich selbst neu zu erfinden.
Ungerechtigkeit kann man nur mit Gerechtigkeit begegnen und Gerechtigkeit ist keine Einbahnstraße.

 

Anmerkung: Dieser Text erscheint auch bei Novo Argumente für den Fortschritt

#metoo

 

Derzeit ist der Aufschrei der Medien wieder groß, nachdem die sexuellen Machenschaften des Harvey Weinstein öffentlich gemacht wurden. Unzählige Frauen bekennen mit #metoo ihre Erfahrungen mit sexueller Gewalt und es wird deutlich, dass sexueller Missbrauch und Alltagssexismus präsent wie eh und je sind. Dieser reicht von Anmachsprüchen auf offener Straße, über tätliche sexuelle Belästigungen im Job, bis hin zur tätlichen sexuellen Gewalt. Die Medien überschlagen sich mit Artikeln zu diesem Thema. Berichte von betroffenen Frauen und aus welchem Bereich sie stammen bis hin zu Verhaltensregeln, die Männer befolgen sollten . Die Liste der in den letzten 2 Wochen erschienen Artikeln ist lang, sehr lang. Noch länger sind die Kommentarleisten unter den Artikeln, mit empörten und betroffenen Lesern.

Der Mann immer noch ein Höhlenmensch?
Das Thema ist wieder omnipräsent und zeigt die Brisanz die dahinter steckt. Sexismus existiert und vor allem der männliche Sexismus hat eine ungeheure Schlagkraft wenn es darum geht im Gespräch zu bleiben. Der böse Mann lebt mit seinem Denken eigentlich immer noch in der Höhle und sieht in der Frau nur die Gebährmaschine und den sexuellen Lustgewinn. Emanzipation hat also eigentlich noch gar nicht stattgefunden und der Mann muss mit Biegen und Brechen dazu gebracht werden, Frauen respektvoll zu behandeln. Wie es so ist mit den schnellen Medien heutzutage, haftet jedem Artikel ein gewisses Drama an, nichts verkauft oder klickt sich schließlich besser als ein Hauch Überemotionalität.

Wer hat recht?
Die Kommentare unter den Artikeln haben zwischen sich meist einen Graben. Da sind die Frauen, die moralextremistisch laut trommeln, dass jeder blöde Spruch auf der Straße sexuelle Belästigung ist und damit fast unweigerlich auch zur Vergewaltigung führen muss und da sind die Männer, die sich über die Übertreibung des Themas aufregen und das ganze nicht mehr wirklich ernst nehmen können. Tja, und wer hat nun recht? Wie immer liegt die Antwort irgendwo dazwischen.

#metoo Debatte
Ich finde diese #metoo Debatte eher verstörend, denn hier werden Flirt und sexueller Missbrauch in einem Atemzug genannt. Diese Dinge können vielleicht fließend sein aber dennoch kann man ein „Hey Schätzchen“, was einem jemand auf der Straße zu ruft, nicht mit dem Missbrauch von widerstandsunfähigen Personen oder sexueller Gewaltanwendung gleichsetzen! Ich empfinde es auch als empörend, eine vergewaltigte Frau auf eine Stufe zu stellen mit einer Frau die mal einen doofen Kommentar auf der Straße zu hören bekommen hat. Das verhöhnt die Opfer und trägt in puncto Ernsthaftigkeit nur dazu bei, dass dieses Thema zu einer Debatte von Pseudo Betroffenen verkommt.

Flirt oder sexuelle Belästigung?
Die Frauen die ich kenne, empfinden es in der Regel als schmeichelnd, wenn sie auf der Straße angflirtet werden. Natürlich gibt es Grenzen und man kann ein Hinterherpfeifen nicht vergleichen mit einer schmierigen Anmache, bei welcher der Flirter weder die Regeln des Mindestabstandes noch des guten Anstandes einhält. Ich kann nicht von mir auf andere schließen aber auch ich bin jahrelang in einer deutschen Großstadt tagtäglich mit Bus und Bahn unterwegs gewesen und habe so einiges in Sachen Anmache miterlebt. Es gab lustige Momente und auch Momente in denen ich mich lautstark verteidigt habe. Dazwischen lagen Welten und die lustigen Momente haben definitiv überwogen. Es mag auch eine Einstellungssache sein, aber man sollte einen Flirtversuch auch erst einfach mal als das stehen lassen was es ist und nicht gleich zu einem riesigen Ding aufbauschen und jedem Flirtwilligen gleich bösen Sexismus unterstellen. Ich denke das ist ein Punkt über den sich viele männliche Leser aufregen, vielleicht flirten sie selbst gern mal ein/e Mädchen/Frau auf der Straße an und wollen sich diese harmlose Sache auch nicht verbieten lassen. Warum auch? Wenn man hier anfinge, wo müsste man dann aufhören? Flirten nur noch nach vorheriger offizieller Absegnung? Ich weiß nicht was sich manche Frauen vorstellen, die fordern jegliches Flirten sollte verboten werden und Männer sollten sich ausschließlich an die Benimmregeln aus oben genannten Artikel halten, um mit einer Frau Kontakt aufzunehmen. Ich kann aber auch die Frauen verstehen, die in der allzu aufdringlichen Form des Flirtens einen Nährboden für Respektlosigkeit Frauen gegenüber sehen. Allerdings muss man dann auch einen netten Flirt von einer sexistischen Anmache unterscheiden. Sexuelle Belästigung ist definiert als: geschlechtsbezogene entwürdigende bzw. beschämende Bemerkungen und Handlungen, unerwünschte körperliche Annäherung, Annäherungen in Verbindung mit Versprechen von Belohnungen und/oder Androhung von Repressalien“. Ein Kompliment im Sinne von: „Ich finde du siehst gut aus“ ist also nicht gleichzusetzen mit „Ey Schlampe, du siehst fickbar aus“ oder sonstigen unflätigen Bemerkungen. Und die meisten Männer sind sich dieser Unterscheidung wohl bewusst und machen so etwas auch nicht. Der Nährboden für sexuellen Missbrauch ist also nicht der harmlose Flirt, sondern die sexuelle Belästigung!

Alltagssexismus
Und dann ist da noch der Alltagssexismus. Die Selbstverständlichkeit von Männern, Frauen als minderbemittelt darzustellen, sie als unwichtig abzutun und sie als Freiwild zu betrachten. Ich arbeite in einer Männerdomäne, ich kenne die Verhaltensweisen und kämpfe immer wieder dagegen an. Dennoch habe ich diese Tatsache als eine Herausforderung im Leben angesehen und nicht als Grund dafür mich permanent diskriminiert und schlecht behandelt zu fühlen. Ich finde Wege um das zu erlangen was ich will, das hat bisher immer geklappt und ich habe es noch nie für nötig befunden mich an eine Gleichstellungsbeauftragte wenden zu müssen, die mir mein Recht im Zweifel einklagt. Was hätte ich auch davon? Die Missgunst aller Kollegen und das blöde Gefühl das ich jeden Tag hätte, wenn ich zur Arbeit ginge. 
Aber es ist schwierig das aus Sicht einer jeden Frau zu beurteilen. Ich bin in einem Männerhaushalt groß geworden und kenne es gar nicht anders, als mich gegen Ignoranz gegen Frauen durchsetzen zu müssen. Aber ich habe es doch sehr oft verflucht, das es so ist. Aber so ist das Leben eben. Man kann sich das Wenigste aussuchen und muss mit vielem klar kommen, ob es einem passt oder nicht. 

Aber es gibt auch den hässlichen Sexismus der mir Kopfzerbrechen bereitet, keine Frage. Kurioser Weise erlebte ich ihn fast ausschließlich im Privaten, von Partnern und Freunden. Da war Beispielweise ein guter Bekannter der sehr zudringlich wurde und dem ich mich schließlich nur entziehen konnte, in dem ich den Kontakt abbrach. Ich erzählte Freunden davon, die uns beide kannten. Sie gaben mir die Schuld daran, ich hätte mich ja auch nicht so aufreizend kleiden dürfen. Und auch in Partnerschaften habe ich viel erlebt, was erniedrigend, demütigend und zerstörend war. Ich sollte die Frau sein, die funktioniert, die ausschließlich für den Partner da zu sein hatte und die kein Recht auf eigene Bedürfnisse hatte. Auch diesen Zuständen konnte ich nur durch Flucht entkommen. Verständnis und Einsicht konnte ich von den Herren nicht erwarten, denn am Ende war ich es ja die sich anstellte und sich aufregte. Im Nachhinein frage ich mich, wie ich in diese Strukturen geraten könnte aber das ist ein anderes Thema. Auf jeden Fall weiß ich was es heißt Alltagssexismus und auch Missbrauch ausgesetzt zu sein und ich erkenne die Unterschiede zwischen Klischee-Dummheit und wirklichem bösartigen Sexismus. Beides ist nicht schön aber nur der wirklich bösartige Seximus ist verurteilungswürdig. Die Klischee-Dummheit sollte man mit einem guten Spruch oder einem müden Lächeln abtun, denn mehr Emotion und Aufwand sollte man dabei nicht verschwenden. Das ist es einfach nicht wert.

Fazit: Nobody is perfect
Als Fazit möchte ich schließen, kein Mensch ist perfekt und auch Frauen sind sexistisch. Sie machen es anders, subtiler aber deswegen ist es nicht besser und Frauen werden dafür auch nicht an den Pranger gestellt und massenwirksam fertig gemacht. Lasst die Kirche im Dorf und unterscheidet zwischen nett gemeint, Dummheit und Bösartigkeit. Wir alle haben die Antennen um das eine vom anderen zu unterscheiden, wir müssen es nur wollen. Hysterie bringt niemandem etwas. Es geht doch darum ernst genommen zu werden, gehört zu werden und darum das sich wirklich etwas ändert. Mit Moralextremismus und Polemik erreicht man nur, dass mehr und mehr Leute das Thema belächeln und als hysterische Emanzen Debatte abtun und das sollte nicht passieren. Es ist gut, dass darüber gesprochen wird, auch dass dieses Thema diesen Hype erlebt denn nur so gelangt es in die Köpfe der Menschen. Aber dann sollte es auch als das hängen bleiben was es ist: Als Debatte um Gleichberechtigung, dass man niemanden einfach benutzen kann wie es einem passt, dass jeder den gleichen Respekt verdient hat und als ganzer und vollwertiger Mensch betrachtet werden sollte, ungeachtet welches Geschlecht er hat oder welche Nationalität, wie er sich kleidet oder aussieht.